Schneisen: Jagdliche Infrastruktur im naturnahen Wald
Die Abschusspläne in Waldrevieren lassen sich nur durch großräumige Bewegungsjagden erfüllen, sagen die einen. Wir lassen uns die selektive Einzeljagd nicht nehmen, sagen die anderen. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte, meint Wildmeister Hans-Joachim Duderstaedt aus dem DJZ-Versuchsrevier
Von Hans-Joachim Duderstaedt
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 | Bei naturgemäßer Waldwirtschaft bekommt die jagdliche Infrastruktur der Reviere eine zunehmende Bedeutung. Ausreichend breite Schneisen sind zwingend für eine erfolgreiche Schalenwild-Bejagung. |
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Beim Umbau unserer Wälder zu naturnaheren Formen ist es notwendig, über Jagdstrategien nachzudenken und zu diskutieren, die dem veränderten Lebensraum Wald gerecht werden. Kahlschlag-Wirtschaft wird es zukünftig kaum mehr geben, demzufolge auch keine leicht zu bejagenden Flächen, auf die das Wild zur Äsung zieht. Flächendeckend lebt es in nicht gleichaltrigen Mischbeständen. Durchaus attraktiv für das Wild, aber schwer zu bejagen. Ruhen und Äsen ist quasi am gleichen Platz ohne viel Bewegungsaktivität möglich, das macht das Wild weniger sichtbar und erschwert damit die Einzeljagd erheblich.
Würde man dieser Entwicklung nicht entgegensteuern, wäre Ansitzjagd letztlich nur noch an Wegetrassen möglich. Ohne weitere jagdliche Infrastruktur ist eine Abschuss-Erfüllung bei der Einzeljagd, aber auch bei Bewegungsjagden durch Abstellen von Wegen nicht möglich. Zu enge Wegschneisen bringen schlechte Jagd-Ergebnisse und sind tierschutzrechtlich und wildbiologisch bei Bewegungsjagden bedenklich. Spätestens hier wird deutlich, dass ohne Anlage von zusätzlichen breiten Schneisen zukünftig ein ordnungsgemäßer Jagdbetrieb im Wald nicht mehr möglich ist. Das Versuchsrevier 1987 Diese Entwicklung haben wir im DJZ-Versuchsrevier bereits vor rund 15 Jahren erkannt, als eine enorme Verjüngung in den lichter gewordenen Altholz-Beständen einsetzte. Selbstverständlich haben uns auch die großen Windwürfe mit riesigen Jungwald-Partien zum Nachdenken gebracht. Es war abzusehen, dass kurz- und mittelfristig zwar herrliche große Einstände entstehen werden, man aber rechtzeitig dafür sorgen muss, dass das Wild weiterhin „bejagbar“ bleibt.
Bei der Gestaltung des Revieres mit entsprechenden Schneisen standen folgende Kriterien im Vordergrund:
Beibehalten der Ansitzjagd, schwerpunktmäßig auf männliches, aber auch auf weibliches Wild.
Verminderung des Jagddrucks durch Intervalljagd.
Bei der Vielzahl von Schneisen wird jeder Hochsitz nur zirka alle vier bis sechs Wochen besetzt. Der „Jagddruck“ hält sich somit in tolerierbaren Grenzen.
Äsungsverbesserung auf allen Schneisenarten durch entsprechend gesteuerten Lichteinfall und gezielte Äsungsverbesserung in Form von Wildwiesen.
Nutzung der breiten (!) Schneisen (25 bis 30 Meter) bei Bewegungsjagden. Ohne diese Flächen vernetzende Schneisenstruktur sind auch ordnungsgemäße Bewegungsjagden nicht durchführbar. Althölzer, die früher auf Fernwechseln mit Schützen abgestellt wurden, werden von Jahr zu Jahr weniger.
Integrieren von Feuchtbiotopen.
Bejagung von Kulturgattern (schalenwildfreie Kulturgatter gibt es fast nicht) ab vier Hektar Flächengröße mit Hilfe von Jagdschneisen und Hochsitzen. Auch das ist ein Beitrag zur Entspannung der Wald-Wild-Situation!
Schneisenformen (lange Flächenfiguren) wirken auf mehrere nebeneinander vorkommende Wildarten sehr beruhigend. Das Wild hat so die Möglichkeit, „Respektabstand“ voneinander zu halten. Die Fluchtdistanzen sind bei Störung sehr kurz.
Schneisen im oder in der Nähe des Einstands fördern tagaktives Wild mit all den Vorteilen für Wald und Wild. Einrichtung eines Schneisensystem In Zusammenarbeit mit den Forstleuten vor Ort und den Vertretern des Waldbesitzes gingen wir schon vor Jahren daran, neben einer Vernetzung des Revieres mit Äsungsflächen, ein Schneisensystem einzurichten. Es ist erfreulich, dass die Forstpartie seit dem Orkan am 24. November 1984 grundsätzlich Bestandsbegründungen nicht mehr an den Weggräben beginnt, sondern beidseitig der Wege oder Abteilungslinien zwölf bis 15 Meter breite Trassen nicht mehr bepflanzt. Das erleichtert sowohl die Äsungsverbesserung als auch die jagdlichen Möglichkeiten bei der Einzel- und Bewegungsjagd.
Gleichzeitig wurden Abteilungslinien großzügig aufgehauen. Wenn auch hier keine Stockrodung stattfand, so bildete sich auf diesen Schneisen aufgrund des Lichteinfalles wertvolle Äsung. Selbstverständlich wurde auch dadurch die Jagd im Walde erleichtert. Diese Schneisentrassen haben eine Breite von 15 bis 25 und eine Länge von bis zu 800 Metern.
Natürlich bedürfen Schneisen einer entsprechenden Pflege. Etwa alle vier Jahre muss man sie mit der Motorsense freischneiden. Die meisten Schneisen sind als Wildwiesen angelegt und werden jährlich gemulcht und alle drei Jahre gemäht. Wir düngen alle drei bis vier Jahre mit kohlesaurem Magnesiumkalk und zwar mit drei bis vier Tonnen pro Hektar.
Da das Schwarzwild die Schneisen intensiv „bearbeitet“ ist es oft notwendig, die Flächen jährlich nachzusäen. Dabei streben wir ein ausgewogenes Verhältnis von Süßgräsern (Rotschwingel, Wiesenrispe, Wiesenfuchsschwanz) und Kleearten (Rotklee, Weißklee, Schwedenklee, Hornschotenklee, Luzerne) an. Intensive Beäsung (beziehungsweise Pflegeschnitte) fördern übrigens den Kleeanteil!
Durch die gute Zusammenarbeit mit den Förstern war und ist es möglich, sogar Schneisen-Systeme in acht bis 15 Jahren alten Jungbeständen anzulegen. Wir haben dabei eine schwere Fräse eingesetzt. Da die Schneisen zum oberen und unteren Rand hin geschlossen sind, werden sie von Spaziergängern kaum entdeckt und bieten so echte Tagesäsungsflächen. Aktuelle Situation Zurzeit verfügen wir im DJZ-Revier über ein Schneisen-System von 11,8 Kilometern, gerechnet nur die Schneisen über 15 Meter Breite. Damit sind wir langfristig in der Lage, sowohl die Ansitzjagd (Schwerpunkt beim männlichen Wild) als auch die Bewegungsjagd (Schwerpunkt auf Sauen, weibliches Wild und Fuchs) mit hoher Effizienz bei reduziertem Jagddruck zu betreiben.
Das Verhältnis der Ansitzjagd-Strecke zur Bewegungsjagd-Strecke lag in unserem Hegeblock 2001/2002 bei 76 zu 204 Stück Schalenwild, wobei das Schwarzwild bei uns im Wald während der Einzeljagd fast völlig geschont wird.
Ohne Schneisen-Planung und -Gestaltung wird ein erfolgreicher Jagdbetrieb in naturnahen Wäldern kaum möglich sein.
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