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DJZ-Revier: Bewegungsjagd
Ob das Fachwort Bewegungsjagd von uns mit geprägt wurde, sei dahingestellt. Fakt ist, dass im DJZ-Versuchsrevier diese Form der Gesellschaftsjagd seit 15 Jahren praktiziert wird. Über Entwicklung, Methode und Planung der zukunftsweisenden Jagdart berichtet Wildmeister Hans-Joachim Duderstaedt.
Von Hans-Joachim Duderstaedt
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 | Ein vorbildlich markierter Schützenstand: rote Balken für Sicherheitszonen und gelbes Band für die Position des Schützen. |
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Rückblick:1984 Ich kann mich noch genau daran erinnern: Als ich 1984 meinen Dienst im Versuchsrevier antrat, standen nach der ersten Gesellschaftsjagd unter meiner Leitung 38 Schützen abends im lodernden Fackelschein um einen Hasen herum, den auch noch ein Hund gegriffen hatte. Wenngleich es auch von morgens bis abends heftig geschneit hatte und die Jagd vom Ablauf her einen positiven Eindruck hinterlassen hat, so wäre ich doch am liebsten im Boden versunken. Wir hatten fünf Treiben an diesem Tag veranstaltet. Wie damals üblich, wurden die vermeintlich besten Dickungen nach Waldtreibjagdart mehr oder weniger dicht umstellt und mit Treibern und Hunden getrieben. Man hätte statt auf Schalenwild ebenso auf Hasen jagen können. Die Jahre 1984 - 1986 Gleiches lieferte in den ersten drei Jahren, 1984 bis 86, vor Einführung der Bewegungsjagd durchaus befriedigende Streckenergebnisse. Dennoch war der Aufwand im Verhältnis zur Strecke zu hoch: fünf Treiben mit relativ hoher Schützenzahl, Zeitverlust durch oftmaliges Sammeln und neu Anstellen der Schützen, starke Beunruhigung des Reviers. Durch Hast und Zeitdruck, viele Treiben durchzuführen, waren Anschusskontrollen sowie Sorgfalt nicht so wie sie sein sollten. Auch die zeitraubende individuelle Einweisung der Schützen auf den Ständen und das Liefern des erlegten Wildes waren nicht optimal. Wechsel zur Bewegungsjagd Die Überlegung, zur großflächigen Bejagung mit nur zwei Treiben am Tage überzugehen, wird vor allem durch die Veränderung der Waldvegetation begründet. Früher fanden die Treiben in Dickungen statt, die durch künstliche Aufforstung entstanden waren. Dank naturnahen Waldbaus, deutlicher Reduzierung des Rehwildes und Äsungsflächen-Vernetzung (2,5% der Holzproduktionsfläche) veränderte sich das Waldbild durch überall auflaufende Naturverjüngung derart, dass nur eine auf die Gesamtfläche bezogene Bewegungsjagd-Strategie Sinn machen konnte.
Wegen der Undurchsichtigkeit der Waldbestände, sind wir vor 15 Jahren dazu übergegangen, Trophäen tragendes Schalenwild (Rehbock, Rothirsch, Muffelwidder) durch Ansitz und Pirsch zu bejagen. Der Abschuss des weiblichen Schalenwildes und vor allem des Schwarzwildes soll mit hohem Anteil bei den drei Bewegungsjagden, die im Oktober/November stattfinden, erfüllt werden.
Jagdblock: Da Bewegungsjagden große Flächen benötigen, kommen wir nicht um ein Reviergrenzen überschreitendes Jagen herum. Wir praktizieren das hier mit vier Revieren (der Jagdblock genannt) seit Jahren mit Erfolg. Der Streckenanteil der Bewegungsjagden beträgt 60 Prozent von der Gesamt-Schalenwildstrecke: im Jagdjahr 2000/2001 waren es 248 Stück, wobei die Schwarzwildstrecke mit 128 Sauen den Hauptanteil hatte). Vorab-Planung Für mich als Jagdleiter beginnen die Bewegungsjagden bezüglich der Planung im Mai. In Absprache mit den Beständern werden alle drei Jagdtermine festgelegt. Unmittelbar danach werden informiert: Hundeführer, Treiber, Personen mit Funktionen wie Schützengruppenführer, Landwirte, die an den Tagen der Jagd Schlepper und Anhänger zur Verfügung stellen, die Küche für Mittagessen im Wald beziehungsweise Schüsseltreiben und ganz wichtig das betreuende Forstamt. Es macht Sinn, auch dann schon die Nachsuchengespanne für die Jagdtage und den Tag nach den Jagden zu reservieren. Einladung Es ist selbstverständlich, dass zu den Bewegungsjagden schriftlich eingeladen wird und zwar zirka acht Wochen vor jeder Jagd. Die Einladungen beinhalten:
Tag, Treffpunkt mit Wegeskizze und Uhrzeit
Welche Wildarten bejagt werden
Dass für Verpflegung gesorgt ist
Dass Horn und Sitzstock mitzubringen sind
Dass Selbstladegewehre unerwünscht sind
Die Rückmeldungstermine sind auf spätestens 14 Tage vor den Bewegungsjagden datiert, damit der Jagdleiter genügend Spielraum bei der Festlegung der Schützenstände, Einweisung der Treiber- und Hundeführer sowie der anstellenden Gruppenführer hat. Feinplanung vor der Jagd Ist die genaue Anzahl der Schützen bekannt, beginnt für den Jagdleiter die Feinplanung. Es hat sich bewährt, pro Tag zwei Treiben durchzuführen, die mit geringen Abweichungen je zwei Stunden dauern. Pro Treiben wird eine Fläche von zirka 400 Hektar bejagt. Das bedeutet bei einer Schützenzahl von etwa 60 Gästen, 120 Stände individuell auszusuchen, zu kennzeichnen und mit Sicherheitszonen zu versehen.
Schützenstände können sein:
Drückjagd-Hochsitze zirka drei Meter hoch,
Bodensitze und auch Stände, bei denen der Sitzstock zum Einsatz kommt. Alle Stände werden so ausgewählt, dass sowohl Ansprechen als auch sauberes Schießen möglich ist. Ich erwähne das besonders, weil es für mich das entscheidende Kriterium ist, für selektives Jagen und möglichst wenig Nachsuchen zu sorgen.
Sind alle Stände eingerichtet, folgt die Einweisung der Schützengruppenführer, Treiber und Hundeführer. Da das Zusammenwirken dieser drei Funktionsgruppen meist über Erfolg beziehungsweise Misserfolg der Jagd entscheidet, kann man hierbei nicht sorgfältig genug sein. Spätestens zehn Tage vor den Jagden müssen die Vorbereitungen im Revier beendet sein, um nicht durch Störung den Erfolg zu gefährden. Zwei Tage vor der Jagd Nun versammele ich alle Funktionsträger zu einer Abschlussbesprechung, wobei der gesamte Jagdtag noch einmal durchgespielt wird. Dafür hat sich eine Merkliste bewährt. Der Jagdtag beginnt Treffpunkt am Tag der Jagden ist der Alte Damscheider Sportplatz. Meine Mannschaft trifft sich um acht Uhr, eine Stunde vor dem allgemeinen Stelldichein. Entsprechend vorbereitet, sind wir alle gelassen. Wir freuen uns auf den Jagdtag und die Strecke, die wir gemeinsam mit den Gästen machen wollen.
Punkt neun Uhr werden die Schützen versammelt. Nach bestimmtem Schema nehmen die Schützen in der Mitte, die Treiber und Hundeführer rechts und die Gruppenführer links flankierend Aufstellung. Die benötigten Fahrzeuge stehen in unmittelbarer Nähe bereit. Nach der Begrüßung wird den Schützen Freigaben und Jagdkriterien bekannt gegeben:
Eine Anmerkung an dieser Stelle: Von einer Verlosung der Stände halte ich überhaupt nichts. Ich will und muss nach unserer jagdstrategischen Konzeption bei diesen Jagden Strecke machen. Es gibt zwar keine wirklich schlechten Stände bei dieser Jagdart, entscheidend aber ist, was der Schütze daraus macht. Insofern werden die Schützen nach Erfahrung und Schießfertigkeit eingeteilt.
Innerhalb kurzer Zeit löst sich die Jagdgesellschaft in Schützen-, Treiber- und Hundeführergruppen auf. Als Fahrzeuge für den Transport der Gruppen werden sieben Schlepper mit Anhängern sowie drei Geländefahrzeuge, ebenfalls mit Anhängern, eingesetzt. Ich kann diese Form der zusammengefassten, umweltfreundlichen Mobilität nur empfehlen. Es gibt bei Gesellschaftsjagden kaum etwas störenderes als Autostaus im Wald. Der Transport auf einem offenen Anhänger durchs Revier ist für die meisten Gäste schon ein positives, ja stimmungsvolles Erlebnis. Dass der Gruppenführer dabei seine Schützen ständig unter Kontrolle hat, fördert die Sicherheit und den Erfolg der Jagd. Die Treiber-Gruppen Nachdem ich „meine“ Schützen individuell auf ihren Ständen eingewiesen habe, übernehme ich eine von vier Treibergruppen, die mit den Hundeführergruppen im ersten Treiben durchdrücken. Alle Treibergruppen gehen dabei mit wenig Lärm vor. Lautäußerungen dienen zur Orientierung mit den Nebentreibern.
Meine Treibergruppe zum Beispiel drückt planmäßig auf ihrem eineinhalb Stunden dauernden Weg fünf eher kleine Einstandsdickungen durch. Der Fußweg zwischen diesen Dickungen wird zügig, leise und so überbrückt, dass angestellte Schützen sich nicht gestört fühlen. Zeitlich muss soviel Spielraum eingeplant sein, dass ein Einstand, aus dem Sauen nicht hinaus wollen, noch einmal gedrückt werden kann. Nach dem Treiben Nach Beendigung des Treibens holen die Schützengruppenführer die angestellten Schützen an ihren Ständen ab. Dabei lässt sich der Gruppenführer vom Schützen alle Vorkommnisse auf dem Stand melden. Etwaige Anschüsse werden verbrochen und Kurznachsuchen bei Kammerschweiß bis 70 Meter durchgeführt. Erlegtes Wild wird bis zum nächsten Fahrweg vorgeliefert.
Zur vereinbarten Zeit sammeln die Schlepperfahrer die Schützen-Gruppen an den Treffpunkten ein und bringen dann die Jagdgesellschaft zum Mittag-Sammelplatz. Während die Gäste, Treiber und so weiter das Essen einnehmen (zirka eine Stunde) läuft bezogen auf den Organisationsrahmen Folgendes ab:
Der Jagdleiter erwartet unaufgefordert die Meldung aller Gruppenführer über die Strecke beziehungsweise eventuell angefallende Nachsuchen und sonstige Vorkommnisse
Einweisung der Nachsuchengespanne
Aufbrechen des erlegten Wildes durch eingeteilte Leute am Aufbrechplatz, an dem ein Wasserwagen und Gestelle zum Aufhängen des Wildes bereit stehen
Die Zähler für abgegebene Schüsse kontaktieren
Vollzähligkeit, auch der Hunde, feststellen
Diskrete Kontrolle der in Gewehrständern abgestellten Waffen auf geöffneten Zustand (Sicherheit)
Eingehen auf Fragen und Berichte der Gäste
Nach dem Mittagessen gibt der Jagdleiter eine kurze Beschreibung des ersten Treibens hinsichtlich Strecke, abgegebener Schüsse, eventueller Nachsuchen und Wildvorkommen bekannt. Es folgt die neue Gruppen- und Zeiteinteilung und eine Beschreibung des Ablaufs des zweiten Treibens. Mit dem Signal Aufbruch zur Jagd verteilen sich die Schützen-Gruppen auf die Schlepper.
Konnte im ersten Treiben unbedenklich gleichzeitig abgerückt werden, ist das im zweiten anders. Um nicht vorzeitig Wild rege zu machen, laufen die Gruppen nun zeitlich versetzt ab. Da ich mit meiner Gruppe als letzter abrücke, behalte ich den Einfluss über den gewollten Ablauf. Das zweite Treiben Das zweite Treiben beinhaltet sehr große Dickungen, aus denen besonders die Sauen oft nicht heraus wollen. Wir benötigen also etwas mehr zeitlichen Spielraum, sodass dieses Treiben zwei Stunden und 15 Minuten in Anspruch nimmt. Wir drücken jetzt mit fünf Treibergruppen gleichzeitig, denen im Gegensatz zum ersten Treiben mehr Hunde zugeteilt werden.
Eingesetzt werden in der Regel bekannte, bewährte Stöberhundrassen bis maximal Wachtelhundgröße. Der verstärkte Hunde-Einsatz im zweiten Treiben (zirka 20) ergibt sich aus dem sehr hohen Dickungsanteil von etwa 250 Hektar bei einer Treibengröße von 400 Hektar. Jagdende Gegen 16 Uhr ist das zweite Treiben beendet. Mit der gleichen Prozedur wie nach dem ersten Treiben, beginnt der geordnete Rücklauf zum Streckenplatz. Da ich mit meiner Gruppe meist zuletzt eintreffe, stehen dort die Gruppenführer schon bereit, um ihre Meldungen abzugeben. Überall wird fieberhaft gearbeitet. Am Aufbrechplatz wird nach und nach alles angelieferte Wild versorgt. Eingeteilte Helfer legen das versorgte Wild zur Strecke. Die Führer der Schweißhunde berichten über die Nachsuchen aus dem ersten Treiben.
Bei Kaffee und sonstigen Getränken sieht man überall Gruppen von Jägern, die sich angeregt über Erlebtes unterhalten. Die Stimmung ist meist sehr gut und wird eher besinnlich, wenn alle Arbeit getan ist und an der vollzählig gelegten Strecke die Kienfeuer und Fackeln entzündet werden.
Brauchtumsgerecht nehmen Schützen, Bläser, Hundeführer und Treiber Aufstellung an der Strecke. Mit einigen zusammenfassenden Worten, manchmal auch Kritik, bedankt sich der Jagdleiter bei allen Beteiligten, die zum Erfolg des Jagdtages beigetragen haben. Er meldet danach dem Jagdherrn die Strecke, der dann die Verteilung der Erlegerbrüche vornimmt. Der abschließende Höhepunkt ist das Verblasen der Strecke.
Die Streckenergebnisse waren in all den Jahren nicht nur wegen der Menge, sondern auch der selektiven Zusammensetzung vorzeigbar. Wahrscheinlich deshalb, weil wir schon sehr früh auf strikte Schützen-Disziplin geachtet haben. Das heißt, was nicht im Sinne der Freigabe erlegt wird, muss je nach Portmonee bezahlt werden. Strafen wie doppelter Wildbreterlös oder pro Ende zuviel tausend Mark bauen Hemmschwellen auf, ohne die es leider nicht geht. Die Wirkung ist verblüffend. Benimmt sich ein Schütze wiederholt daneben, wird er nicht mehr eingeladen. Bei krassem Verstoß gegen die Anweisung der Jagdleitung wird ein Gast auch während der Jagd nach hause geschickt. Letzteres war in der langen Zeit nur einmal notwendig. Ausblick Es gibt für mich überhaupt keinen Zweifel darüber, dass großflächige Bewegungsjagd, ob Revier bezogen oder Revier übergreifend, ein zukunftsorientiertes Jagdmittel ist, um Sauen, weibliches Schalenwild und Füchse zu erlegen. Sie ist effektiv, wildbiologisch sinnvoll und naturnahen Wäldern angepasst. Bei umsichtiger Anlage und Durchführung kann ebenso selektiv und sauber geschossen werden wie bei der Einzeljagd. Und mit Sicherheit besser als beispielsweise auf Sauen in hohem Bewuchs oder bei Mondschein. Letzteres sage ich nicht nur aus über 30 Jahren Schweißhundführerpraxis. Der Zustand unserer großräumig lebenden Schalenwildarten spricht zusätzlich eine deutliche Sprache.
Eine Sache, die in diesem Zusammenhang angesprochen werden muss, ist das Verhalten unmittelbarer Reviernachbarn. Immer wieder kommt es vor, dass die Jagdgrenzen während einer Bewegungsjagd gezielt besetzt werden. Geschieht das anonym, ist das nicht nur schlechter Stil, sondern im Sinne der Sache destruktiv. Findet eine Absprache mit anschließendem Vorzeigen des erlegten Wildes statt, ist das in Ordnung und kann ein Einstieg zum grenzüberschreitenden Jagen und Denken werden!
Bewegungsjagden helfen uns aus der Anonymität der Jagd heraus und hin zu einer Transparenz, die wir dringend benötigen. Wichtige Kriterien für ein zeitgemäßes Jagdmanagement wie Wildruhezonen, Intervalljagd, grenzüberschreitende Konzepte, um nur einige zu nennen, brauchen eine flächendeckende Umsetzung. Auch, um nach innen und außen Vertrauen zu schaffen und eine wildfreundliche Lobby aufzubauen.
Nicht überall werde ich erfolgreich um Verständnis werben können, weil immer kleinere Revierstrukturen die Zusammenarbeit erschweren. Noch gibt es aber kein Gesetz, das einen freiwilligen Zusammenschluss von Revieren unter gleichen Bejagungsrichtlinien verhindert. Handeln wir also.
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