Blatten - wann und wie?
Es wird heftig gestritten, hart diskutiert, und die Meinungen der DJZ-Autoren gehen bei der Blattjagd weit auseinander. Wildmeister Hans-Joachim Duderstaedt gibt Blattjagd-Tips aus seiner Berufsjäger-Praxis.
Von Hans-Joachim Duderstaedt
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 | Für das Blatten gilt wie für vieles andere auch: Übung macht den Meister. |
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Die Diskussionen über Alter, Hege mit der Büchse, Erlegung der starken Territorialböcke vor oder nach der Brunft und ähnliches beherrschen seit Jahrzehnten die Diskussionen unter Jägern. Das alles soll hier nicht noch einmal wiederholt werden. Nur soviel: Blattjagd ist für mich reizvoller, spontaner als die Jagd im Mai und Juni. Ich meine, ich jage intensiver in der Blattzeit als am Anfang der Jagdzeit, wenn das Rehwild sich noch vertraut verhält. Doch hier soll "jeder nach seiner Fasson selig werden".
In der zweiten Junihälfte und Anfang Juli sind die Böcke faul und geradezu unsichtbar geworden. Das ist die Zeit, in der wir das Revier für die Blattzeit vorbereiten. Pirschpfade werden gekehrt und neue angelegt. Bewährte Schirme erhalten eine neue Verkleidung. An "fängigen" Plätzen richten wir weitere ein - das Revier wird präpariert.
Anfang Juli sollte dann alles fertig sein; denn der Beginn der Rehbrunft ist nicht sicher bestimmbar, und er kann von Jahr zu Jahr stark schwanken. Die klassische Zeit der Rehbrunft 15 Jahre lang habe ich im DJZ-Versuchsrevier die Beobachtung des ersten und letzten treibenden Bockes festgehalten, wobei sich Unterschiede bis zu 15 Tagen ergeben haben. So konnte einwandfrei der Beschlag schon am 27. Juni beobachtet werden. Das war der mit Abstand früheste Zeitpunkt, während die späteste Beobachtung eines treibenden Bockes am 15. Oktober registriert wurde. In beiden Fällen handelte es sich zweifelsfrei um Brunft-Geschehen.
Die klassische Zeit der Rehbrunft liegt in Deutschland - und hier ist sich die Fachwelt weitgehend einig - zwischen dem 20. Juli und dem 10. August. Das Brunftgeschehen ist weitgehend abhängig von der Witterung, der Höhe des Bestandes und vor allem dem Geschlechterverhältnis.
Die alte Weisheit, daß bei heißem Wetter die Brunft aktiver verläuft, scheint richtig zu sein. Auslöser der Brunft sind selbstverständlich die weiblichen Stücke. Nach meinen Beobachtungen sind es nicht die Schmalrehe, wie häufig behauptet wird, die zuerst brunftig werden. Wie beim Rotwild die Alttiere die Brunft "machen", so sind es beim Rehwild die Ricken, und zwar offensichtlich die in besonders guter Kondition. Das ist für unsere Vorüberlegungen wichtig. Merkmale der Brunft Den tatsächlichen Beginn der Brunft erkennt man daran, daß man häufiger Kitze ohne Mütter beobachtet. Etwas vermenschlicht gedeutet: Die Mütter vergnügen sich anderweitig. In solchen Situationen lohnt es sich häufig, mit dem Kitzfiep zu blatten oder mit dem Angstgeschrei. In diesem Fall muß die Waffe griffbereit liegen, denn die Ereignisse überschlagen sich manchmal in solchen Situationen.
Die auf den Kitzfiep spontan erscheinende Ricke bringt, wenn sie brunftig ist, normalerweise den Bock mit, der dann erlegt werden kann. Da alles sehr schnell geht, ist ein sicherer Schuß oft nicht einfach. Ein Schreckgeräusch durch den Jäger - man muß dann aber bereits im Anschlag sein - läßt den Bock oft verhoffen und bietet die Möglichkeit zu einem präzisen Schuß. Den Bock vom brunftigen Stück wegblatten zu können, halte ich für ein Märchen.
Das Blatten mit dem Kitzfiep kann während der gesamten Brunftzeit Erfolg bringen, wobei gegen Ende der Blattzeit immer öfter führende weibliche, schon beschlagene Stücke zustehen.
Grundsätzlich erfolgreich ist das Blatten zu Beginn und vor allem zum Ende der Brunft. Das Blatten gilt zu diesen Zeiten suchenden Rehböcken, die nicht bei brunftigen Stücken stehen. Es wird um so erfolgreicher verlaufen, je günstiger (also nahe 1:1) das Geschlechterverhältnis ist. In Revieren, in denen auf jeden mehrjährigen Bock drei, vier und mehr weibliche Stücke kommen, dürfte das Blatten erfolglos verlaufen.
Für die Qualität der Böcke ist es sicherlich eher schlecht, wenn sie völlig abgebrunftet in die vegetationsarme Nachbrunftzeit kommen. Ein Indiz für ein ungünstiges Geschlechterverhältnis ist auch, wenn gegen Ende der Blattzeit vorwiegend Jährlinge springen, weil die Territorialböcke entweder noch bei brunftigen Stücken stehen oder bereits abgebrunftet in den Dickungen liegen.
Ein Rezept abzugeben, wie und wann geblattet werden soll, halte ich für vermessen. Jeder schwört auf sein Instrument, hält es für das beste, und manch einer erzählt, wie er auf 500 Meter seine Böcke auf Schrotschuß-Entfernung vor den Schirm holt. Ich habe viele solcher Blattkünstler erlebt, die es auf ihre Weise zur Virtuosität brachten, ob laut, ob leise, ob gedämpft, sparsam oder üppig angewandt, die Böcke sprangen... oder auch nicht. Blatten - die richtige Methode Ich bevorzuge beim Blatten das zwischen Zeigefinger und Daumen beider Hände gespannte Buchenblatt. Ist mal keins greifbar, tut es auch das Silberpapier meiner Zigarettenschachtel. Durch meinen Beruf habe ich für Gäste und Freunde weit mehr Böcke herangeblattet als für mich selbst. Übrigens steht der Fuchs ganzjährig auf den Kitzfiep zu.
Das Blatten von Hochsitzen und Kanzeln halte ich für falsch. In hängigem Terrain mag es angehen und zum Erfolg führen. Grundsätzlich findet die Blattjagd aber am Boden statt.
Verblatten: Beachten wir, daß man ein Revier sehr schnell verblatten kann, das heißt: Zu vieles Blatten, ohne zuvor die Situation analysiert zu haben, verprellt die Böcke und veranlaßt sie zu besonderer Vorsicht.
Blattjagd ist spontane Beutejagd. In den seltensten Fällen wird man viel Zeit zum Ansprechen haben. Daß mancher Bock, den man nie zuvor gesehen hat, auf der Strecke liegt, macht den großen Reiz dieser Jagdart aus und ist gewissermaßen das Salz in der jagdlichen Suppe.Foto: Peter Brade
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