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Universalgläser - was ist praxisgerecht?

Moderne Zielfernrohre sind kleine technische Wunderwerke. Die neueste Generation ist kaum mehr mit früheren Zieloptiken vergleichbar. Entscheidend für die Wahl ist neben Qualität und Preis vor allem der Einsatzzweck.

Von Roland Zeitler

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Zielfernrohr
Waffe und Verwendungszweck entscheiden über die Wahl des Zielfernrohrs.

Bei Universal-Zielfernrohren ist es wie mit Universalkalibern oder –waffen: Es gibt sie eigentlich nicht. Eine Zieloptik für ein und alles wurde noch nicht erfunden. Besondere Einsatzgebiete wie die Drückjagd erfordern eine spezielle Zieloptik.

Es gibt aber eine große Anzahl von Zielfernrohren, die mehr oder weniger universell zur Jagd in Mitteleuropa einsetzbar sind. Bei der Auswahl unter diesen universellen Zielfernrohren ist vor allem die Frage wichtig: „Sollen sie unter schwierigen Lichtverhältnissen zur Nachtjagd eingesetzt werden oder reicht es aus, wenn sie für die Dämmerung gut geeignet sind?“. Viele Jäger benutzen eine Waffe für die Nachtjagd auf Sauen und haben für Pirsch und Ansitz bei Tag- und Dämmerungslicht andere Waffen.

Die Frage nach der idealen Zieloptik muss sehr individuell gestellt werden. Sie sollte vor allem vom Einsatzzweck der damit zu bestückenden Büchse oder kombinierten Jagdwaffe bestimmt werden. Für den Gebrauchswert ist in erster Linie die Qualität eines Zielfernrohrs entscheidend. Die technischen Daten oder rechnerische Werte wie beispielsweise die Dämmerungszahl geben darüber keine Auskunft.

Zwei Zielfernrohre mit denselben Kenndaten können Unterschiede zeigen wie Tag und Nacht. Während man mit dem einen schon lange kein Wild in der späten Dämmerung mehr erkennen kann, ist dass mit dem anderen Zielfernrohr noch gut möglich.

Absehenlage

Beim Kauf ist daher einiges zu beachten. Unterschiede gibt es bei der Absehenlage. Beim Absehen in der 1. Bildebene (Objektivbildebene) vergrößert sich das Absehen bei Vergrößerungswechsel mit. Das heißt: Die Balkenabstände bleiben gleich und die Abdeckmaße ebenfalls. Der Vorteil: gut wahrnehmbare Balken, weil diese – besonders bei hoher Vergrößerung – sehr stark erscheinen. Man kann sie auch bei schwindendem Licht gut erkennen. Der Nachteil: Sie verdecken relativ viel von Ziel und Umgebung und wirken somit störend. Man hat weniger Orientierung, und oft dauert es länger, den korrekten Haltepunkt zu finden.

Das Absehen könnte man theoretisch recht einfach zum Entfernungsschätzen durch Körperlängen-Einpassung zwischen den dicken horizontalen Balken heranziehen. Auf Entfernungen von über 150 oder 200 Meter, wo es überhaupt sinnvoll wäre, ist die Methode aber zu ungenau. Man denke nur an leicht schräg stehendes Wild.

Geätzte Absehen auf Glas zeichnen sich sehr scharf ab und sind sehr robust. Aber auch die heutigen, extrem reißfesten, leichten Folien- oder Drahtabsehen erfüllen hohe Ansprüche. Auch sie zeichnen sich sehr scharf ab.

Bei den Absehen in der 2. Bildebene ist eine extrem korrekte Montage erforderlich, sonst kommt es bei Vergrößerungswechsel zu Treffpunktverlagerungen. Bei Spitzenprodukten von Swarovski und Zeiss habe ich bei den letzten Messungen verschiedener Zielfernrohre keine Abweichungen festgestellt. Bei einigen Billigprodukten kam es zu Verlagerungen von mehr als zehn Zentimeter auf 100 Meter.

Bei Absehenlage in der Okularbildebene (2. Bildebene) vergrößert sich das Absehen nicht mit. Da das Bild bei hoher Vergrößerung größer wird, verdeckt das Absehen – vor allem bei hoher Vergrößerung – extrem wenig (beispielsweise beim Swarovski AV 6-18x50P, Plex-Absehen: bei 6-fach 75 Millimeter für dicke Balken, 25 Millimeter für Fäden, bei 18-fach sind es 18 und 6 Millimeter). Der Jäger behält den Überblick im gesamten Sehfeld, vom Ziel wird sehr wenig verdeckt.

Außerdem lässt sich der korrekte Haltepunkt extrem schnell finden. Punktschüsse sind sind ebenso wenig ein Problem wie eine Haltepunktkorrektur bei weiten Entfernungen.

Man sieht die Plex-Absehen auch in der späten Dämmerung noch gut. Solange man einen Rehbock mit dem 8x56 noch auf 100 Meter ansprechen oder das Gehörn erkennen kann, kann man auch schießen. Das Plex-Absehen lässt sich durch die sichere Körperhöheneinpassung zum Entfernungsschätzen verwenden, wenn man bei einer bestimmten Vergrößerung den Balkenabstand kennt.

In der 2. Bildebene gibt es natürlich auch andere Absehen, wie zum Beispiel das Nr. 4. Bei den Varipoint-Zielfernrohren von Zeiss liegt der beleuchtbare Punkt ebenfalls in der 2. Bildebene. Bei niedriger Vergrößerung, die man auf kurze Entfernungen benutzt, sieht man ihn groß und bei höher Vergrößerung auf weite Entfernungen verdeckt er für präzise Schüsse wenig. Kein anderes Absehen vereint diese Vorteile in so idealer Weise (vorausgesetzt, der Punkt ist nicht zu stark). Zeiss kombiniert mit den Absehen Nr. 54 und 56 zwei Absehen in erster Bildebene (Balken horizontal und vertikal ähnlich Nr. 4) und zweiter Bildebene (beleuchtbarer Punkt).

Absehen sind Geschmacks- und Gewöhnungssache. Ich beschränke mich deshalb auf meine „Lieblingsabsehen“: Bei Zielfernrohren in der 2. Bildebene verwende ich ausschließlich das Plex-Absehen. Es gewährleistet beste Übersicht, ist sehr ausgewogen und auch für flüchtiges Schießen ideal.

Auf Bewegungsjagden gibt es für mich nichts Besseres als den roten Punkt im Varipoint. Bei Absehen in der 1. Bildebene habe ich auf kurze und mittlere Entfernungen gerne das Absehen Nr. 1, mit dem man auch sehr präzise schießen kann. Der Nachteil besteht vor allem bei weiten Entfernungen, wo dieses Absehen zuviel vom Wild verdeckt.

Vor allem bei weiten Entfernungen ist das Absehen 8 (bei Swarovski 7A) mit doppelten Balkenabständen ideal. Ich ziehe es dem beliebten Allroundabsehen 4 vor.

Foto: Roland Zeitler

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Zielfernrohr
Der Etnwicklungsfortschritt gegenüber den Anfängen der Zieloptik ist deutlich.
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