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11/1998 Nur funktionell zum Jagderfolg
Was nutzt die präziseste Waffe und der beste Wildbestand, wenn im entscheidenden Augenblick die Jacke raschelt oder der durchgefrorene Jäger vor lauter Zittern vorbeischießt. Jagd ist nun mal eine Draußen-Beschäftigung, und dafür braucht man die richtigen Klamotten.
Von Andreas Rockstroh
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 | Fast alles, was ein Jäger braucht: Jagdkappe, Lodenmantel, Fernglas 7 x 42, Repetierbüchse mit Zielfernrohr 3-12 x 56, Gummistiefel - mehr nicht. |
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Nur funktionell zum Jagderfolg
Was nutzt die präziseste Waffe und der beste Wildbestand, wenn im entscheidenden Augenblick die Jacke raschelt oder der durchgefrorene Jäger vor lauter Zittern vorbeischießt. Jagd ist nun mal eine Draußen-Beschäftigung, und dafür braucht man die richtigen Klamotten.
Die richtige Wahl der Kleidung hat unmittelbar Einfluß auf den Jagderfolg. Die Jagdgarderobe sollte überlegt zusammengestellt werden, denn sonst schwillt der Kleiderschrank schnell an und die Brieftasche dementsprechend ab.
Viele Kleidungsstücke sind untereinander kombinierbar. Die bei der Treibjagd praktische und bequeme Jagdjacke läßt sich mit passendem Einknöpffutter durchaus auch zum Sauansitz verwenden, und die leichte Fleecejacke für kühle Sommerabende leistet, unter dem Mantel getragen, auch im Winter gute Dienste. Im Sommer Hier ist darauf zu achten, daß sie möglichst bequem geschnitten, robust und reißfest ist, über genügend Taschen verfügt und nicht raschelt. Die Oberbekleidung sollte zumindest wasserabweisend sein.
Qualität und Funktionalität von Jagdbekleidung ist in erster Linie vom Material abhängig. Bevorzugtes Material für Jagdbekleidung ist in unseren Breitengraden der Loden und das nicht von ungefähr. Geringes Eigengewicht, je nach Dicke guter Wärmeschutz, sowie die sprichwörtliche Lautlosigkeit sind Eigenschaften, die der Jäger zu schätzen weiß.
Das aus Wolle gewonnene, mehr als 500 Jahre alte Naturprodukt Loden ist darüber hinaus hochgradig wasserabweisend und läßt auch nicht viel Wind durch. Richtig wind- und wasserdicht wird es jedoch erst mit einem speziellen Innenfutter. Loden wird in unterschiedlicher Qualität hergestellt.
Hochwertige Ware besteht zu einem großen Prozentsatz aus reiner Wolle, dem noch ein Anteil Lama- oder Alpaka-Haare beigemischt wird. Kunstfaseranteile sind jedoch keinesfalls ein Zeichen für minderwertige Qualität, sondern werden vom Hersteller zur Erhöhung der Elastizität und Festigkeit verarbeitet.
Hier ist Loden im Nachteil. Besonders reißfest ist er nicht, und besonders übel nimmt Strichloden ständiges Scheuern an beanspruchten Stellen. Die wärmedämmenden und wasserabstoßenden Eigenschaften verlieren sich an diesen Stellen schnell.
Reißfester sind hochwertige Baumwoll-Mischgewebe wie etwa G 1000 von Fjällräven oder Tactel, ein Nylon-Taft und das traditionelle englische Ölzeug. Diese gewachste Baumwolle ist fast unverwüstlich und dazu noch viel leiser als High- Tech-Gewebe.
Einen wichtigen Stellenwert bei der Jagdbekleidung hat der Regenschutz. War der Jäger früher ausschließlich auf zusätzliche Regenbekleidung aus Gummi oder PVC angewiesen, die zwar wasserdicht aber extrem laut war, stehen heute moderne Materialien nach dem „Gore-Tex”-Prinzip zur Verfügung.
Durch ihre Mikrostruktur haben sie den Vorteil, daß sie Wasserdampf nach außen ableiten, aber trotzdem wasserdicht von außen her sind. Diese atmungsaktive Regenbekleidung, die meist den berüchtigten „Saunaeffekt” verhindert, hat im Handumdrehen den Bekleidungsmarkt erobert und wird heute als Zwischenlage in Bekleidung und Schuhwerk eingebaut. So wird eine traditionelle Lodenjacke wirklich wasser- und winddicht.
Doch auch diese modernen Materialien haben ihre Grenzen, und Wunder sollten nicht erwartet werden, auch wenn die Hersteller sie versprechen. So stimmt es natürlich, daß Gore-Tex den Wasserdampf nach außen entweichen läßt, aber nicht in unbegrenzten Mengen. Pro Stunde führt eine Gore-Tex-Jacke etwa 250 Gramm nach außen ab.
Bei wirklich anstrengender Tätigkeit, etwa schnellem Steigen im Gebirge oder der Bergung von schwerem Wild, gibt der menschliche Körper aber bis zu zwei Liter Schweiß ab. Der nicht abgeführte Wasserdampf kondensiert dann in der Kleidung. Es wird feucht.
Außerdem besteht bei langen und starken Regenschauern immer die Gefahr, daß Wasser am Kragen oder den Ärmeln eindringt. Dann setzt schnell der „Dochteffekt” ein: Die Feuchtigkeit wird nach innen gesogen, und der Träger wird naß. Außerdem sind Gore-Tex-Jacken, vor allem bei Kälte, nie wirklich geräuschlos.
An oberster Stelle beim Kleiderkauf steht die Bewegungsfreiheit. Hochwertige Jacken und Mäntel zeichnen sich daher durch ein ausgeklügeltes System an Quetsch- und Dehnfalten und großzügig geschnittenen Schießärmeln aus. Besonders beanspruchte Stellen am Hosenboden oder an Kniepartien müssen entsprechend verstärkt ausgestattet sein.
Besonders geräuschlos sind mit Leder bezogene Knöpfe. Metall- oder Hornknöpfe müssen genau wie Reißverschlüsse mit einer Leiste abgedeckt sein.
Die Taschen sollten nicht nur in ausreichender Zahl und groß genug vorhanden, sondern auch mit einer Patte abgedeckt oder mit einem Reißverschluß verschlossen sein.
Die Farbauswahl der Jagdbekleidung beschränkt sich naturgemäß auf die Schattierungen von Grün und Grau, wobei mittlere Olivtöne den besten Tarnwert haben. Im Winter Die Wärmedämmung ist davon abhängig, in welchem Maße die Kleidung in der Lage ist, Luft zu speichern. Auch hier können wir heute auf High-Tech-Materialien wie etwa „Thinsulate” zurückgreifen, die sich neben gutem Kälteschutz vor allem dadurch auszeichnen, daß sie kaum auftragen.
Sehr warm sind auch Faserpelz- und Fleecegewebe. Durch die vielen winzigen Fäden wird ein dickes Wärmepolster mit „stehender” Luft aufgebaut, das hervorragend isoliert.
Nicht vergessen werden sollte eine passende Kopfbedeckung. Sie schützt nicht nur vor Regen und Sonne, sondern beschattet auch das auffällige, helle Gesicht. Darüber hinaus hält sie Körperwärme zurück, denn ein Großteil geht über den Kopf verloren. Gerade beim Winteransitz ist eine wärmende Kopfbedeckung daher unverzichtbar.
Fleece einzippen: Geschickt kombiniert reichen einige wenige Kleidungsstücke für die unterschiedlichsten Witterungsverhältnisse. So kann eine gut ausgestattete Lodenjacke mit Gore-Tex-Einlage das ganze Jahr über getragen werden, wenn für den Winter eine einzippbare Fleecejacke vorhanden ist, die im Sommer an kühlen Abenden solo getragen wird.
Das ist im Endeffekt erheblich preiswerter als eine Sommerjacke, eine Winterjacke und zusätzlich noch Regenbekleidung.
Wärmer im Ansitzsack: Wer vorhat, bei hohen Minustemperaturen eine ganze Nacht lang auf Sauen anzusitzen, wird früher oder später feststellen, daß hier normale Bekleidung, auch mit dickstem Futter und drei Pullovern drunter, leider nicht ausreicht.
Abgesehen davon, daß man sich so fühlt wie das Michelin-Männchen und kaum Bewegungsfreiheit hat, sind viel zu viele Kältebrücken vorhanden. Hier hilft nur ein geschlossener Ansitzsack.
Qualität kostet: Hochwertige Jagdbekleidung hat ihren Preis. Sie schützt aber nicht nur die Gesundheit des Trägers, sondern ist auch für den Jagderfolg entscheidend. Da sie nicht der Mode unterworfen ist und bei normaler Abnutzung und fachgerechter Pflege auch eine sehr lange Lebensdauer hat, lohnt es sich, nicht auf die Mark zu schauen. Wer hier „Qualität kauft” investiert in die Zukunft.
Das Schuhwerk des Jägers muß so ausgelegt sein, daß es die Füße vor mechanischen Einwirkungen, Kälte und Feuchtigkeit schützt. Hier ist nicht modisches Aussehen, sondern Zweckmäßigkeit gefragt. Je nach Jahreszeit und auch Jagdart wird unterschiedliches Schuhwerk benötigt. Im Sommer Neben einem Paar leichter Pirschschuhe mit griffiger Sohle für die wirklich warmen und trockenen Tage, die hauptsächlich unter dem Aspekt des „geräuscharmen Gehens” (lautlos wäre wohl zuviel gesagt) ausgesucht werden, ist auch im Sommer der Gummistiefel die Hauptfußbekleidung des Jägers.
Der Gummistiefel: Nur er hält zuverlässig Nässe ab (auch im Sommer sind Wiesen morgens feucht), läßt sich mühelos reinigen, hängt nicht wie Blei an den Füßen und ist darüber hinaus schnell an- und ausgezogen. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten, und so gehört der „Waschkücheneffekt” mit entsprechender Geruchsbildung im Sommer zu den unvermeidbaren Begleiterscheinungen des Gummistiefels. Mit speziellen Einlagen und Strümpfen läßt sich das zwar reduzieren, ganz ausschalten jedoch nicht.
Auch bei Gummistiefeln klafft zwischen den Billigmodellen und den Edelmarken eine große Preisspanne. Ganz billige „Kaufhausstiefel” aus PVC sind nicht zu empfehlen. Geringer Tragekomfort, wenig Elastizität und schlechte Bodenhaftung machen sie für die Jagd unbrauchbar.
Naturkautschuk und ein vernünftiges Fußbett sollte es schon sein. Den besten Gehkomfort bieten von Hand konfektionierte Modelle mit anatomischem Fußbett und durchgehendem Reißverschluß mit Untertritt entlang der Außenseite.
Hier kann die Schaftweite der jeweiligen Situation angepaßt werden, und bei Bedarf ist auch eine wirksame Entlüftung möglich.
Spitzenklasse sind Gummistiefel mit Lederfutter, die auch bei längeren Tragezeiten nicht unangenehm werden. Sie sind natürlich auch im Preis Spitze.
Neben den Pirschschuhen und den Gummistiefeln sind im Sommer nur noch besondere Schuhe für spezielles Gelände, etwa im Gebirge, notwendig, die aber erst bei Bedarf angeschafft werden sollten. Im Winter Für Treib- und Drückjagden, bei denen der Jäger den ganzen Tag auf den Läufen ist, Schneematsch, schweren Boden und Schlamm bewältigen muß, ist auch im Winter der Gummistiefel ideal.
Mit Futter: Jetzt muß er natürlich dem Wetter entsprechend über einen wirksamen Kälteschutz verfügen. Die üblichen Woll- oder Pelzfutter sind zwar anfangs warm, weil sie viel Luft speichern, werden aber durch ständigen Gebrauch immer mehr zusammengepreßt. Dadurch verlieren sie an Volumen und damit Speicherkapazität.
Auswechselbare Einlegesohlen aus Schaffell und Innenschuhe aus Filz sind hier günstiger. Der Stiefel für den Winter wird eine Nummer größer gewählt, damit genügend Platz für dicke Wollsocken und Füßlinge vorhanden ist.
Schuhwerk für den Ansitz wird unter dem Aspekt der optimalen Wärmedämmung ausgesucht. Gummistiefel, auch mit Kälteschutz, sind hier wenig brauchbar.
Gut, aber sehr teuer und pflegeintensiv sind die traditionellen Pelzstiefel mit Lammpelzfutter.
Moon Boots für die Kanzel: Sehr preiswert und ausgesprochen warm sind sogenannte Moon Boots. Sie sind jedoch nur auf dem Ansitz brauchbar und wegen ihres schwammigen Aufbaues nicht für längere Anmarschwege geeignet. Am besten werden Moon- Boots im Rucksack mitgeführt und erst auf der Kanzel angezogen.
Optimaler Kälteschutz und Gehkomfort lassen sich auch mit High-Tech-Materialien nur schlecht vereinbaren. Den „Drilling für die Füße” gibt es noch nicht.Foto: Wink-Studios
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 | Mit warmer Unterwäsche fängt es an: mit der richtigen Kleidung gegen die Kälte auf Ansitz und Pirsch. Wie zum Beispiel der von Brynje. Da haben Unterhemd und Unterhose eine Netzstruktur innen, auf die außen ein dünnes Gewebe aus Merinowolle gelegt ist. Das soll vorm Bibbern bewahren. |
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