Was erschwert Nachsuchen?
Erschwerte Nachsuchen auf Schalenwild entstehen zumeist durch falsches Verhalten vor und nach dem Schuss und durch besondere, wetterbedingte Widrigkeiten. Wildmeister Hans-Joachim Duderstaedt berichtet aus jahrzehntelanger Arbeit als Schweißhund-Führer.
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Zunächst eine kurze Anmerkung zum Thema Schweißhunde und Gebrauchshunde: Nach meiner Einschätzung kann der Schweißhund den Gebrauchshund nicht ersetzen und umgekehrt. Obwohl ich mein Jägerleben lang nur Schweißhunde geführt habe, bin ich kein “Rassefanatiker”. Auch für die erschwerte Schweißarbeit ist fast jede Jagdhundrasse grundsätzlich geeignet. Die Voraussetzung für wirklich schwere Arbeit auf der Wundfährte ist allerdings, dass der Hund allein auf diese Aufgabe vorbereitet und eingearbeitet worden ist.
Damit meine ich, dass ein Hund, der heute bei der Feldsuche mit hoher Nase Niederwild finden und vorstehen soll, nicht am nächsten Tag eine Übernachtfährte auf einen kaum schweißenden Hirsch aus dem Wirrwarr der Fährten am Brunftplatz herausfinden und arbeiten kann. Das muss ihn überfordern.
Nach meiner Beobachtung sind in der Regel alle frei jagenden Hunde für wirklich schwere Schweißarbeit auf der kalten Wundfährte unbrauchbar. Daran ändern auch nachgewiesene Leistungen im Rahmen von Vielseitigkeitsprüfungen wie zum Beispiel der VGP nichts. Also kurz zusammengefasst: Ein spezialisierter Hund muss rasseunabhängig mehr leisten als ein “Allrounder”.
Worauf es mir in diesem Zusammenhang ankommt ist, dass nach dem Flüchten kranken Schalenwildes sehr genau darüber nachgedacht werden muss, welcher Hund eingesetzt wird. Das setzt ein gründliches Untersuchen des Anschusses voraus, um zu entscheiden, ob man mit dem eigenen Gebrauchshund eine kurze Totsuche unternimmt, oder sofort den Spezialisten einsetzt. Es ist eben ein Unterschied, ob ich am Anschuss eines beschossenen Überläufers Lungenschweiß finde, der in der Regel eine Fluchtdistanz von maximal 150 Metern bedeutet oder vor einer Übernachtfährte stehe, bei der der Treffersitz unklar ist.
Wenig Verständnis habe ich, wenn beispielsweise von einem Teckel verlangt wird, ein laufkrankes Reh, einen Frischling oder ein Kalb nachzusuchen. Hirsche und ältere Sauen mögen sich durchaus vor einem Teckel stellen, das genannte Jungwild jedoch fast nie! Wenn wir erkennen, welche Grenzen unser eigener Hund hat, ersparen wir dem Wild unnötiges Leid und uns unnötiges Kopfzerbrechen.
Die Nachsuchen-Statistik des Vereins Hirschmann sagt aus, dass etwa 50 Prozent aller Nachsuchen erfolgreich abgeschlossen werden, obwohl vorher andere Hunde eingesetzt wurden. Dabei ist gemeint: “Nachsuchen” im Stile einer freien Verlorensuche vom Anschuss weg, einer Fehlhetze bis hin zum Einsatz läufiger Hündinnen...
Über das Verhalten vor und nach dem Schuss möchte ich mich nur kurz auslassen, wir haben darüber bereits ausführlich berichtet. Drei Dinge sind meines Erachtens besonders wichtig: Auch wenn es banal klingt, riskante Schüsse sollte man vermeiden. Man sollte in der Lage sein, den Anschuss oder zumindest die Nähe des Anschusses zu finden.
Nachsuchen werden oft dadurch erschwert, dass der Schütze den Anschuss, besonders in Einstandsbereichen, zu früh untersucht und damit das Wild aufmüdet. Oft wird auch zu früh auf der warmen Fährte nachgesucht ohne den Anschuss genau untersucht zu haben. Wenn dann keine Kammerschüsse vorliegen, müdet man das Wild auf. Besonders bei Hochwild kommt es dann oft zu kilometerweiten Nachsuchen am nächsten Tag.
Das großflächige Absuchen von Einständen in Anschussnähe mit Lampen oder das Schnallen eines Hundes in die Nacht hinein, ist für mich jagdlicher Dilettantismus. So produziert man erschwerte Nachsuchen! Unsere Hunde, die speziell auf der Schweißfährte und nur auf dieser gearbeitet werden, haben vor allem nach Übernachtfährten mit Umständen zu kämpfen, die wir nicht beeinflussen können, und es grenzt manchmal fast an Wunder, wenn sie die Fährte trotzdem voran bringen. Zwei Dinge sind es, die die beste und geschulteste Nase versagen lassen. Das ist nach meiner Beobachtung strenger Frost unter minus zehn Grad und staubtrockene Hitze. Strenger Frost isoliert die Wundfährte und schließt sie durch eine Eisschicht ab. Man kann sich hier helfen, indem man den Hund abträgt und nach einigen Stunden Wartezeit in der Hoffnung auf wärmere Temperaturen neu ansetzt. Vereister Boden Ein Beispiel: Am Abend hatte im DJZ-Revier ein Gast im letzten Licht einen Abschusswidder beschossen. Den ganzen Abend hatte es bei Temperaturen wenig über dem Gefrierpunkt stark geregnet. Wir verbrachen den Anschuss, auf dem wir recht viel Schweiß gefunden hatten und deckten ihn mit mehreren Fichtenreisern ab. Als wir am nächsten Morgen zur Nachsuche ausrückten, waren die Temperaturen über Nacht auf Minus zwölf Grad Celsius gefallen. Ich ahnte nichts Gutes. Mein Hannoverscher Schweißhundrüde Bor verwies den Anschuss, nachdem wir die total vereisten Fichtenäste entfernt hatten. Trotz sichtlichem Bemühens des Rüden, kamen wir jedoch wir keine Riemenlänge vom Anschuss fort. Unter einer wohl fünf Millimeter starken Eisschicht war zwar Schweiß in der Fluchtrichtung sichtbar, aber offenbar für die Hundenase isoliert. Unverrichteter Dinge zogen wir enttäuscht ab, darauf hoffend, dass die inzwischen durchbrechende Sonne uns helfen könnte.
Gegen 14 Uhr standen wir abermals am Anschuss. Das Eis war zwar noch nicht ganz verschwunden, aber durch die Sonnen-Einwirkung offensichtlich porös geworden. Der Hund, der uns am Morgen geradezu ratlos angeäugt hatte, arbeitete die Wundfährte nun wie auf Schienen ohne Probleme. Nach etwa 1.800 Metern waren wir am Widder. Das Geschoss saß auf der Leber.
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