DEUTSCHE JAGDZEITUNG - zurück zur Startseite
HOME KONTAKT SITEMAP IMPRESSUM DATENSCHUTZ WIDERRUF AGB FAQ

ANMELDUNG Abo-Nr.: Passwort:  

SUCHE:  
BLICKFANG  
NEWSLETTER  
NEWS-ARCHIV  
JAGDPRAXIS  
Wild
Auf Jagd
Jagdliche Einrichtungen
Jagdhunde
AUSRÜSTUNG  
WAFFEN &
PATRONEN  
DJZ-TESTREVIER  
AUSBILDUNG  
SEMINARE  
FORUM 
SERVICE  
SHOP  
ADRESSEN  

Sie befinden sich hier: HOME  - JAGDPRAXIS  - Auf Jagd

Druckversion

Druckversion

Nachsuchen bei Drückjagden

In der September-Ausgabe haben wir uns ausführlich mit Sicherheitsaspekten bei Bewegungsjagden beschäftigt. Wildmeister Hans-Joachim Duderstaedt gibt nun als Schweißhundführer Hinweise, worauf man achten muss, um Nachsuchen nicht zu erschweren

Von Hans-Joachim Duderstaedt

A

Bild
Sauen sollten möglichst nicht spitz von vorn beschossen werden. Die Gefahr von Gebrechschüssen ist groß. Bei Drückjagden "genügt es", sich der Sau "bemerkbar zu machen", sodass sie abdreht und breit beschossen werden kann.

Bei der Nachsuchenplanung stehen zwei Aspekte im Vordergrund: Zum einen ist es unsere Pflicht, krankes Wild so schnell wie möglich zur Strecke zu bringen; zum anderen ist es unser Wunsch, Wildbret möglichst vollständig zu verwerten.

Dadurch wird klar, dass Nachsuchen sorgfältig im Vorwege geplant und organisiert werden müssen, damit ein reibungsloser Ablauf möglich ist.

Unter Nachsuchenaspekten ist es, wie Forstdirektor Peter Wagner in der September-Ausgabe (siehe Seite 28 ff) ausgeführt hat, optimal, wenn nur ein Treiben am Tag stattfindet, das spätestens um 14 Uhr endet. Damit bleiben für die Nachsuchen je nach Jahreszeit zwei bis drei Stunden.

Am Jagdtag selbst werden vorrangig Stücke nachgesucht, bei denen man mit einer Totsuche rechnen kann. Bei Lungenschweiß im Bereich des Anschusses kann man von einer kurzen Totsuche ausgehen. Handelt es sich um Weidewundschüsse, benötigt man im Zweifelsfalle einen Hund, der in der Lage ist, Hochwild, das noch nicht verendet ist, zu stellen. Stücke, die mit Weidewundtreffern am nächsten Tag verendet gefunden werden, müssen in der Regel verworfen werden.

Treffer, die eine längere Hetze erwarten lassen, also Lauf-, Krell, Gebräch-, Äserschüsse oder reine Wildbret-Schüsse sind erst am nächsten Tag gewissenhaft nachzusuchen.

Der Jagdleiter legt in Absprache mit den anwesenden Schweißhundführern fest, welche Stücke unmittelbar nach dem Treiben nachgesucht werden. Hierbei ist er auf eine fachlich saubere Mitarbeit seiner Gruppenführer (Ansteller) und Gäste, die die Nachsuchen verursacht haben, angewiesen.

Bereits bei der Einweisung der Gäste vor der Jagd, sollte man darauf hinweisen, dass erlegtes Wild möglichst so zu bergen ist, dass man es nicht über eine eventuelle Wundfährte zieht, was dem Nachsuchengespann die Arbeit zusätzlich erschwert.

Führt man zwei Treiben durch, werden die Nachsuchen in Absprache mit den Gruppenführern und Schützen in der Mittagspause vor dem zweiten Treiben organisiert. Die Schweißhundführer haben dann genug Zeit, die Nachsuchen aus dem ersten Treiben durchzuführen, während das zweite Treiben läuft.

Den Hundeführern wird ein Helfer zugewiesen, der ortskundig ist und im Zweifelsfall verhindert, dass die Suche ins gerade bejagte Treiben geht. Auch hilft er beim Liefern des gefundenen Stückes beziehungsweise meldet dem Jagdleiter, wo das zu bergende Stück liegt oder wo die Nachsuche abgebrochen wurde.

Zum Glück gibt es bei uns in Rheinland-Pfalz eine eindeutige Verordnung, die den anerkannten Schweißhundführern erlaubt, Reviergrenzen auch ohne Benachrichtigung des Revierinhabers zu überschreiten.

So banal es für den einen oder anderen klingen mag, schon bei der Planung und Anlage der Schützenstände achten wir darauf, dass Nachsuchen möglichst vermieden werden. Weniger erfahrene Schützen werden so platziert, dass sie das Wild von weitem anwechseln sehen, und so weit entfernt von den Einständen, dass das Wild möglichst langsam anwechselt oder sogar verhofft. Die besseren Schützen kommen auf die eventuell nötigen engeren Stände, aber das Prinzip der Bewegungsjagd beinhaltet ja, dass „zwiebelförmig“ abgestellt wird, sodass das Wild immer mehreren Schützen möglichst langsam kommt.

Alle Schützen werden von den Gruppenführern (Anstellern) an ihren Ständen nach dem Treiben abgeholt und geben ihre deutlich ausgefüllten Standkarten zurück. Wird nicht mit solchen Karten gearbeitet, befragt man jeden Jäger genau nach seinen abgegebenen Schüssen. Eventuelle Anschüsse, ob mit oder ohne Pirschzeichen, werden grundsätzlich deutlich sichtbar markiert.

Kurze Totsuchen bei Lungenschweiß am Anschuss kann der Ansteller je nach Gelände 50 bis 100 Meter selbstständig arbeiten. Nach hundert Metern wird allerdings, falls die Suche bis dahin erfolglos geblieben ist, abgebrochen. Alles andere bleibt den Schweißhundführern vorbehalten.

Schützen, die ihren Stand verlassen oder eigenmächtig während des Treibens Anschüsse oder vermeintlich getroffenes Wild nachsuchen, sollte man als abschreckendes Beispiel nach Hause schicken beziehungsweise nicht mehr einladen. Solche drastischen Beispiele führen zu einer deutlichen Verbesserung der Jagddisziplin.

Bei großen Jagden entstehen natürlich durch das Anliefern des Wildes und eventueller Nachsuchen Wartezeiten für die Korona. Man muss dabei nicht unbedingt auf den letzten Frischling oder das letzte Kalb warten, aber eine gewisse Wartezeit ist sicherlich auch für die Schützen zumutbar, denn sie haben, warm am Feuer stehend, im Vergleich zu den Wild bergenden Jägern und den Nachsuchen-Führern den bequemeren Part.

Nachsuchen

Abschließend zwei interessante Nachsuchen bei Bewegungsjagden: Im ersten Treiben waren von einem Schützen ein Rotkalb und ein „Überläufer“ beschossen worden. Da sonst, obwohl dieses Treiben 29 Stück Wild erbracht hatte, keine weiteren Anschüsse vorlagen, die Pirschzeichen hinterlassen hatten, wurden die beiden an der Jagd teilnehmenden Schweißhundführer gemeinsam von dem zuständigen Gruppenführer eingewiesen. Das Kalb hatte den Pirschzeichen nach einen sehr hohen Vorderlaufschuss, die Sau die Kugel mitten drauf. Die Anschüsse waren, wie bei uns üblich, farblich gekennzeichnet und die Fluchtrichtung der Stücke bekannt.

Die beiden firmen Bayerischen Gebirgsschweißhunde arbeiteten, fast möchte man sagen, „synchron“. Es war eine Lust zu sehen, wie unbeirrbar jeder seine Wundfährte hielt. Schon in der nächsten Fichtendickung wurde der Rüde am ersten Wundbett geschnallt, und er hatte die Sau noch in der Dickung gestellt. Kurz darauf stellte die Hündin das Kalb.

Für uns draußen hatte sich das Ganze angehört, als wenn beide Hunde das selbe Stück stellten. Die beiden Fangschüsse fielen innerhalb einer Minute. Das Ganze hatte nicht länger gedauert als die Essenszeit der Jagdkorona. Die „Truppe“ war also für das Nachmittagstreiben wieder komplett.

Zumindest der Überläufer, der vormittags um 10.45 Uhr einen Lebertreffer erhalten hatte, wäre bei einer Nachsuche am folgenden Morgen sicherlich verhitzt gewesen.

Das Kalb mit dem sehr hohen Laufschuss hatte Splitter in die Kammer erhalten, sodass auch davon ausgegangen werden kann, dass es bald verendet wäre und am nächsten Tag ebenfalls hätte verworfen werden müssen.

Am gleichen Tag im Nachmittagstreiben kam es dann „dick“. Es wurden 55 Stück Schalenwild erlegt. Ein Rickenkitz und neun Sauen hatten im Bereich der Anschüsse Pirschzeichen hinterlassen.

Zwei Sauen mit tödlichen Schüssen konnten aufgrund der eindeutigen Anschüsse noch am Abend gefunden werden.

Die Nachsuchen-Besprechung am späteren Abend für den nächsten Tag im Anschluss an das Schüsseltreiben ergab Folgendes: Das Kitz hatte vermutlich einen Laufschuss, drei Frischlinge hatten ebenfalls Laufschüsse und vier Überläufer Gescheidetreffer.

Am nächsten Morgen übernahmen Ron mit seiner BGS-Hündin Distel das laufkranke Reh, einen Frischling mit Laufschuss und einen Überläufer mit Lebertreffer, der natürlich in Erwartung einer Totsuche zuerst gearbeitet wurde, um möglichst das Wildbret noch zu retten.

Er erhielt zwei Helfer, die ortskundig waren und wussten, wie man sich bei Nachsuchen verhält.

Wolfgang mit seinem BGS-Rüden Wolo wurde auf einen Frischling mit Laufschuss und zwei weitere Sauen mit Weidewundschüssen eingewiesen. Ich selbst übernahm die restlichen drei Suchen mit dem Hannoverschen Schweißhundrüden Ben.

Wir hatten im wahrsten Sinne des Wortes Suchenglück. Nach fünf Stunden waren alle Stücke zur Strecke ... nicht ganz, es lag eine Sau mehr als Anschüsse gemeldet waren. Trotz penetranter Befragung der Schützen hatte uns doch wieder einer einen vermeintlichen Fehlschuss verschwiegen. Leider mussten zwei Sauen verworfen werden.

Natürlich läuft es nicht immer so glatt ab. Nachsuchen auf Bewegungsjagden sind meist komplizierter als die, die bei der Einzeljagd verursacht werden. Das liegt weniger daran, dass, wie manche behaupten, auf Bewegungsjagden nicht so sauber geschossen wird. Für mich als Schweißhundführer relativiert sich diese Aussage bei den vielen, vielen „Mondscheinsauen“...

Es sind vielmehr die jagenden Hunde im Treiben, die manches Stück noch weit hetzen und dann irgendwann ablassen, weil die Unterstützung fehlt. Es sind die Treiber, die Wundwitterung mit den Schuhen aufnehmen und Verleitungen schaffen. Mit Hunden und Treibern bejagtes Wild hat wohl auch einen höheren Adrenalinspiegel, der die Schockwirkung unserer modernen Patronen manchmal vermissen lässt. All das erschwert die Nachsuchen bei diesen Jagden.

Um die leidige Diskussion über das Für und Wider von Bewegungsjagden nicht wieder anzufachen, sei gesagt, dass man bei gut organisierten Jagden unter zwei Schuss pro erlegtem Stück Wild liegt. Wer wesentlich schlechter liegt, sollte über seinen Jagdbetrieb oder die Schießfertigkeit seiner Gäste nachdenken.

Eine Bewegungsjagd ist ohne die Teilnahme von Schweißhunden mit ihren Führern nicht zu machen. Die Zahl der Gespanne muss in Relation zu der erwarteten Strecke und damit den erwarteten Nachsuchen stehen. Das gilt sowohl für den eigentlichen Jagdtag als auch den darauf folgenden Tag.

Foto: Dieter Hopf und Werner Nagel

F

A

Bild
Beim Bergen von Wild bitte darauf achten, dass eventuelle Nachsuchen nicht durch selbst gelegte "Verleitfährten" erschwert werden.
F

JETZT IM HANDEL:
001_001_Titel_DJZ_0512_155
Inhalt »

HIER BESTELLEN

NÄCHSTES HEFT:
ab 25.05.2012 im Handel

ABONNIEREN

INSERIEREN

ONLINE WERBEN

ANZEIGEN-SUCHE

MEDIADATEN

Paul Parey Zeitschriftenverlag
Im Paul Parey Zeitschriftenverlag erscheinen:  
Jagen weltweitDeutsche JagdzeitungWild und Hund   Fisch und FangRaubfisch