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DJZ-Testrevier: Neuanfang!

Nach fast zwei Jahrzehnten ging nun die Ära des DJZ-Testrevieres im Hunsrück zu Ende. Das neue Revier liegt auf der anderen Rheinseite im Taunus. Hier die ersten Eindrücke.

Von Revierjagdmeister Erich Kaiser

Peter Brade

Viele langjährige DJZ-Leser werden sich wundern, weshalb wir nach 20 Jahren ein, wie wir meinen, vorbildlich eingerichtetes Hochwildrevier aufgeben. Die Antwort ist recht einfach. In Zeiten von stagnierenden, ja teilweise sinkenden Pachtpreisen, waren wir nicht bereit, auf das Gebot eines Mitbewerbers mitzubieten.
 
Das neue DJZ-Testrevier liegt im Taunus bei Bad Camberg, nördlich von Frankfurt, innerhalb des Landschaftsschutzgebietes Taunus, und wird im Westen von der Bundesautobahn A 3 begrenzt. Die Revierfläche beträgt 1.450 Hektar, gegliedert in rund 750 Hektar Wald und 700 Hektar Feld.
 
Die Böden sind von mittlerer bis guter Qualität (Höhenlage 255 bis 450 Meter üNN, jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge 700 Millimeter, durchschnittliche Jahrestemperatur 7,5 Grad Celsius).
 
Im Wald sieht die Baumarten-Zusammensetzung aus wie folgt: etwa 55 Prozent Buche, 15 Prozent Eiche, 20 Prozent Fichte und fünf Prozent Douglasie. Die restlichen fünf Prozent bestehen aus sonstigem Buntlaubholz, wobei eine natürliche Verjüngung der Hauptbaumarten gewährleistet bleiben soll.
 
In der Landwirtschaft wird intensiver Anbau von Futtermais, Weizen, Gerste, Rüben und Raps betrieben, was uns zu intensiver Wildschadensabwehr zwingt.
Mit Schwarz- und Rotwild als Standwild liegt das neue Revier als Hochwildrevier innerhalb des Rotwild- und Muffelwild-Kerngebietes. Der Rehwild-Bestand ist durchschnittlich. Über Abschusspläne und deren Entwicklung werden wir in späteren Beiträgen berichten.
 

Schwerpunkte und Ziele


Wir beabsichtigen, die Konzepte, die sich bereits im DJZ-Testrevier im Hunsrück bewährt haben, im Wesentlichen auch im neuen Revier zu übernehmen.
 
1. Grundlage des jagdlich-hegerischen Handelns ist ein gutes Verhältnis und Einvernehmen mit der Bevölkerung, der Forst- und Landwirtschaft sowie mit den Organisationen des Naturschutzes und der Landespflege. Nur gegenseitige Absprachen, Einbringung unterschiedlicher Erfahrung sowie transparentes Handeln führen für alle Beteiligten zum Erfolg.
 
2. Zur Äsungsverbesserung stehen 1,5 Prozent der Waldfläche zur Verfügung. Die Verpächter haben also einen vorbildlichen Schritt in die richtige Richtung getan, um Wildschäden vor allem im Wald, aber auch im Feld einzudämmen.
 
Unterstützend werden darüberhinaus Acker, Wiesen und Brachflächen angepachtet, um sie als Deckungs- und Äsungsflächen für Hoch- und Niederwild zu gestalten. Hierzu gehören auch die Anlage und Pflege von Feldgehölzen und Heckenstreifen, Streuobstwiesen sowie die Pflege natürlicher Gewässerbegrünung und Schaffung weiterer (Feucht-) Biotope.
 
3. Jagdstrategisch gelten folgende Grundsätze:
3.1. Keine Nacht- und Kirrjagd im Wald, um das Schwarzwild möglichst im
Wald zu halten.

3.2. Ganzjährige Bejagung von Frischlingen und nicht führenden
Überläufern im Feld, auch nachts.

3.3. Ein bis zwei großräumige Bewegungsjagden pro Jagdjahr mit Freigabe von Hirschen in der Klasse III und Kälbern beiderlei Geschlechts, weiblichem Rehwild und Kitzen beiderlei Geschlechts, Frischlingen, Überläufern, reife Keilern sowie Füchsen.

3.4. Hirsche der Klasse I und eventuell der Klasse II, weibliches Rehwild, Muffelwild, Rehböcke und Schmalrehe im Frühjahr sowie weibliches Schwarzwild werden selektiv bei der Einzeljagd erlegt.
 
4. Die Feldstruktur ist in einigen Revierteilen durchaus niederwildfreundlich. Auch fließende und stehende Gewässer sind vorhanden, sodass wir versuchen werden, die Niederwildbesätze wieder aufzubauen. Hierzu gehört neben Biotopverbesserung eine intensive Raubwildbejagung, auch mit der Falle, zumal das Revier innerhalb der tollwutgefährdeten Bezirke liegt.
 
5. Wildschadensverhütung, insbesondere auf landwirtschaftlichen Flächen, bedingt durch zu reduzierende hohe Schwarzwildbestände, wird ein wichtiges Thema sein. Alle Möglichkeiten guter Jagdstrategien, örtlich konzentrierter, effizienter Bejagung zur Wildschadensabwehr, mechanischer Abwehr und vieles mehr soll intensiv praktiziert, getestet und natürlich veröffentlicht werden.
 
6.  Unser Vorpächter, Hermann-Josef Löw, hat uns ein gepflegtes, wildreiches Revier übergeben. Insbesondere die arbeitsintensiven Wildschadensabwehrmaßnahmen zwangen ihn zur teilweisen Revieraufgabe. Wir freuen uns, dass er weiterhin mit uns jagt und wir von seinen gesammelten Erfahrungen profitieren können.
 
7. Obgleich das Revier flächendeckend mit Reviereinrichtungen versehen ist, so wird doch auch der Neubau von Kanzeln, Leitern und Schirmen einen großen Anteil des Arbeitsvolumens beanspruchen. Auch die Veränderung der Waldbestände und die Veränderung der Jagdstrategie im Walde machen einige Ansitzmöglichkeiten unbrauchbar, an anderen Stellen fehlen sie. Die nicht stattfindende Nacht- und Kirrjagd im Wald macht dort allerdings geschlossene Kanzeln entbehrlich.
 
8. Nach einer Einarbeitungsphase wird auch das neue DJZ-Testrevier einem interessierten Besucherkreis in Absprache mit der Redaktion für Führungen zur Verfügung stehen.

Peter Brade

Impressionen aus dem Revier

Im neuen Testrevier gleidert sich die Jagdfläche zu fast gleichen Anteilen in Feld und Wald. Es wird viel Raps und Getreide angebaut. Mais hat dabei den geringsten Anteil. An der Feld-Wald-Kante sind viele jagdlich attraktive Wiesen. Das Waldbild wird bestimmt durch Laubbäume. Fichten und Douglasien haben zusammen einen Anteil von 25 Prozent. Um den Bestand beim Rehwild erst einmal kennenzulernen, beschränken wir unsin der Anfangsphase hauptsächlich auf schwache Jährlinge und Schmalrehe. Die gleiche Aufteilung in Feld und Wald erhöht die Gefahr von Wildschäden im Feld. Besonders gefährdete Maisschläge  werden mit Baustahlmatten geschützt.

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