DEUTSCHE JAGDZEITUNG - zurück zur Startseite
HOME KONTAKT SITEMAP IMPRESSUM DATENSCHUTZ WIDERRUF AGB FAQ

ANMELDUNG Abo-Nr.: Passwort:  

SUCHE:  
BLICKFANG  
NEWSLETTER  
NEWS-ARCHIV  
JAGDPRAXIS  
AUSRÜSTUNG  
WAFFEN &
PATRONEN  
DJZ-TESTREVIER  
AUSBILDUNG  
SEMINARE  
FORUM 
SERVICE  
SHOP  
ADRESSEN  

Sie befinden sich hier: HOME  - DJZ-TESTREVIER

Druckversion

Druckversion

Vor und nach dem Schuss

Es ist guter Brauch, vor Beginn der Bockjagd die Treffpunktlage seines Gewehrs zumindest zu prüfen, damit man bei der Jagd keine böse Überraschung erlebt. Hans-Joachim Duderstaedt ruft das richtige jagdliche Verhalten ins Gedächtnis.

A

Rehbock
Wer bei so hohem Gras den Bock beschicßt, riskiert eine Nachsuche.

Obwohl wir vieles, das in diesem Beitrag behandelt wird, bereits in der Jungjäger-Ausbildung gelernt haben, erlebe ich besonders in meiner Schweißhundführer-Praxis immer wieder, dass auch „alte Hasen“ dieselben Fehler vor und nach dem Schuss machen.

Mit der Waffe fängt es an

Beginnen wir mit dem Handwerkszeug: Voraussetzung für das saubere Erlegen von Wild ist das hundertprozentige Vertrauen zur Waffe. Das Kontroll- beziehungsweise Einschießen der Büchse vor Beginn der Bockjagd ist für die meisten von uns selbstverständlich geworden, aber das war es dann häufig auch schon für den Rest des Jagdjahres. Doch, wenn wir ehrlich sind, das reicht nicht. Kaum einer von uns erlegt so viel Wild, dass er ausreichend Routine bei allen Jagdarten hat.

Es sollte daher selbstverständlich sein, dass zumindest bei unerklärbaren schlechten Schüssen oder Fehlschüssen die Waffe auf ihre Treffpunktlage hin kontrolliert wird. Wie gesagt, schießen hat auch etwas mit Psychologie zu tun, und das Vertrauen zur Waffe darf keinesfalls gestört sein.

Darüber hinaus sollte jeder von uns einige Male im Jahr die üblichen DJV-Disziplinen mit seiner „Alltagswaffe“ schießen, und diejenigen, die Drückjagd-Gelegenheiten haben, sollten einige Packungen Patronen mit ihrer Drückjagdwaffe auf den laufenden Keiler, besser noch im Schießkino „verbrauchen“. Man weiß dann ziemlich genau, was man sich im Jagdbetrieb zutrauen kann und wann man besser „den Finger gerade lässt“.

Bei uns wird zweifellos das meiste Schalenwild von Hochsitzen aus erlegt. Pirsch und Drückjagd sind für viele die Ausnahme. Nun sind ja bekanntlich längst nicht alle Hochsitze von der Konstruktion her gleich, und es ergeben sich ständig andere Anschlag-Situationen. Daher hat es sich bewährt, besonders bei unbekannten Hochsitzen, gleich nach Besteigen Anschlag-Übungen in alle Schussrichtungen zu machen. Wenn es dann ernst wird, weiß man sofort, wie man sich einrichten muss, um ruhig zu schießen. Eventuelle Auflagehilfen für den Ellenbogen oder ähnliches liegen dann rechtzeitig parat und können eingerichtet werden, ohne dass es klappert oder die Anschlaghilfe gar herunter fällt. Man mag das als Pedanterie auslegen, aber diese Anschlag-Übungen helfen, wenn Wild überraschend anwechselt.

An oder auf großen Flächen oder an langen Schneisen, verschätzen sich besonders (allein gelassene) Jagdgäste oft in der Entfernung. Mit unseren großen Optiken wird dann manchmal unverantwortlich weit geschossen, was zu Fehl- oder Krankschüssen führt. An Schneisen helfen Markierungspflöcke in 100, 150 und 200 Meter Entfernung, solche Fehleinschätzungen zu vermeiden. Auf großen Freiflächen kann man dem Jagdgast auch anhand markanter Geländepunkte Schätzungshilfen geben. Auch wenn ich allzu viel Technik auf der Jagd nicht besonders liebe, aber in fremden Revieren, bei der Berg- und der Auslandsjagd hat sich mittlerweile ein Laser-Entfernungsmesser gut bewährt.

Besagte Pflöcke oder Markierungspunkte im Gelände helfen selbstverständlich auch bei der späteren Suche nach einem eventuellen Anschuss.

Die heutige Optik und Präzision der Gewehre verführt zum weiten Schießen. Selbstverständlich muss sich jeder seine eigenen Grenzen selbst stecken. Wenn wir unsere Büchsen, wie heute üblich, auf 100 Meter mit rund vier Zentimeter Hochschuss einschießen, ist ein Treffen auf rund 200 Meter ohne große Haltepunktveränderung mit den meisten Kalibern möglich. Im Normalfall sollte man es meines Erachtens aber bei geringem Schalenwild bei 150 Meter gut sein lassen, und 200 Meter Schuss-Entfernung dürfte für die meisten, auch bei starkem Hochwild, die obere Grenze darstellen.

Ich weiß, dass teilweise im Hochgebirge weiter geschossen wird. Aber zum einen ist die vorrangige Anschlagart im Hochgebirge, liegend aufgelegt, eine sehr sichere Anschlagart, und zum anderen lassen es die Geländestrukturen dort manchmal nicht anders zu. Die Bergjäger trainieren außerdem die weiten Schüsse auch sehr intensiv und kennen in der Regel ihre eigenen und die Leistungen ihrer Waffen. Misst man aber im Hochgebirge mit dem Entfernungsmesser die geschätzten Entfernungen nach, erlebt man oft Überraschungen.

Als Schweißhundführer kann ich feststellen, dass die meisten Nachsuchen schlicht durch zu riskantes Schießen verursacht werden. Wer sich an eine vernünftige Entfernung hält und das Wild nur breit stehend beschießt, wird kaum Nachsuchen verursachen. Experimente wie Träger- und Tellerschüsse oder solche auf spitz stehendes Wild, verursachen Probleme. Die Nachtjagd auf Sauen setzt unter diesen Bedingungen besonderes Verantwortungsbewusstsein voraus.

Drückjagen

Ohne Frage gibt es routinierte Drückjagd-Schützen, die auf 60 oder 70 Schritt hochflüchtige Sauen „über Kopf gehen lassen“. Weniger routinierte Jäger sollten nur ziehendes oder verhoffendes Wild beschießen. Besonders bei großflächigen Bewegungsjagden ergeben sich immer wieder derartige Jagdmöglichkeiten, in denen das Wild langsam vor den Schützen ankommt.

Berufsjäger führen bekanntlich viele Jagdgäste. Dabei beobachte ich immer wieder, dass die Gäste sowohl bei der Einzeljagd als auch bei Drückjagden einen Schuss abgeben und, man möchte fast sagen staunend, dem Wild hinterher schauen. Ob bei Ansitz, Pirsch oder Drückjagd: Es muss sofort nach der Schussabgabe, egal ob das Wild zusammen bricht oder flüchtig abgeht, nachgeladen werden. Das Nachladen muss einem in Fleisch und Blut übergehen.

Das A und O für eine eventuelle Nachsuche ist die genaue Beobachtung des Wildes nach dem Schuss: Das „Zeichnen“ sowie das Fluchtverhalten danach muss registriert werden. Wer nicht „durchs Feuer schaut“, wird kaum wissen, ob er überhaupt getroffen hat. Besonders Sauen zeichnen allerdings sehr oft kaum oder nicht im Schuss. Das bedeutet jedoch nicht, dass man gefehlt haben muss! Wer gute Ohren hat, kann durchaus Rückschlüsse durch den „Kugelschlag“ ziehen. Nach meiner Einschätzung wird aber in dieses Phänomen mehr hineingeheimnist als tatsächlich wahrgenommen wird. All diese „Reaktionen“ sind zusammen mit eventuell gefundenen Pirschzeichen eine gute Hilfe für die Nachsuche.

Das Stück liegt nicht

Liegt das Stück nicht im Schuss, zwingen wir uns zur Ruhe und rekonstruieren nüchtern die Situation. Das Wichtigste ist jetzt, sich den Hilfspunkt im Gelände einzuprägen, in dessen Nähe der Anschuss liegt. Überhasteter Aktionismus ist jetzt völlig falsch. Beim morgendlichen Jagen (von Drückjagden einmal ganz abgesehen) hat man ja nun alle Zeit der Welt und kann mit Muße an die eventuelle Nachsuche gehen. Problematisch sind späte abendliche Schüsse, besonders im Sommer, wenn einem unter wildbrethygienischen Aspekten die Zeit weg läuft. Aber das muss man sich im Zweifelsfalle auch vor dem Schuss überlegen.

Bei einem wirklich sicheren Lungenschuss mit einer kurzen Todesflucht „klaubt“ man ja das Wild in der Regel in nächster Nähe des Anschusses auf. Ist man sich nicht hundertprozentig sicher, wartet man mindestens eine halbe Stunde, um dann mit schussbereiter Waffe und abgenommenem Zielglas beziehungsweise kleinster Vergrößerung bei variablem Zielfernrohr an den Anschuss heranzugehen.

Findet man dort sicher Herz-Lungen-Schweiß, kann man guten Gewissens auch ohne Hund die kurze Todesflucht ausgehen. Sind die Pirschzeichen unsicher, lässt man die Finger von einer nächtlichen Nachsuche. Die Gefahr des Aufmüdens des Wildes ist hoch und Tierschutz geht nun einmal vor Wildbret-Verwertung. Wer das Wild nachts aufmüdet, bringt es mit Sicherheit in dieser Nacht nicht mehr zur Strecke, und das Wildbret ist höchstwahrscheinlich ebenfalls verloren.

Bei unsicheren Pirschzeichen sammelt man Schnitthaare, Knochensplitter und ähnliches ein, um zu vermeiden, dass Raubwild und Raubzeug sie zwischenzeitlich bis zur Nachsuche aufnehmen. Bewährt hat sich auch, den Schweiß mit einer Plastikfolie abzudecken, damit er im Sommer und Herbst nicht durch Regen weggewaschen oder im Winter zugeschneit werden kann.

Noch am Abend oder in der Nacht nach der Jagd verständigt man den Schweißhundführer, um morgens mit Beginn des Büchsenlichtes keine Zeit zu verlieren. Etwas provokant möchte ich fordern, dass derjenige, der abends Zeit hatte, eine Nachsuche zu verursachen, sollte auch morgens die Zeit haben, den Schweißhund-Führer ordnungsgemäß einzuweisen. Die Beschreibung des Anschusses führt zu vielen Missverständnissen und unnötiger Sucherei. Manchmal wird der Anschuss nicht gefunden.

Besondere Vorsicht ist notwendig bei Nachsuchen in der Nacht mit Hilfe von Lampen. Sie sind nur dann zu verantworten, wenn man sicher ist, dass ein Kammerschuss mit Lungenschweiß vorliegt. Rehwild liegt in der Regel im Umkreis von 50 Metern, Hochwild im Umkreis von bis zu 150 Metern.

Bei Drück- beziehungsweise Bewegungsjagden gibt der Jagdleiter klare Vorgaben wie man sich bezüglich der Nachsuchen zu verhalten hat. Während des Treibens wird grundsätzlich nicht nachgesucht. Bei unseren Jagden hat es sich bewährt, dass die Schützen eindringlich darauf hingewiesen werden, dass sie ohne Ausnahme von ihrem Standplatz abgeholt werden. Es finden keine selbstständigen Nachsuchen statt. Der Ansteller entscheidet aufgrund der Schilderung des Schützen, in welcher Form die beschossenen und nicht in Sichtweite verendeten Stücke nachgesucht werden. Gegen diese klare Regel wird leider in der Praxis immer wieder verstoßen. Jäger, die während des Treibens ihren Stand verlassen, sollte man schleunigst nach Hause schicken und nicht mehr einladen. Eine der Hauptunfallursachen bei Drückjagden ist das undisziplinierte Verlassen des Standes während des Treibens! Aber auch das selbstständige Nachsuchen nach Beenden des Treibens durch die Schützen ist eine Disziplinlosigkeit, die den Jagdbetrieb und die Nachsuchen unnötig erschweren.

Drei Fälle aus der Nachsuche-Praxis

Erstes Beispiel: Nachsuche auf einen Hirsch

Während einer Vollmondnacht (!) im August bittet ein Jäger zu einer Nachsuche auf einen Hirsch. Er meldet sich per Handy am Anschuss stehend. Panseninhalt mit Schweiß habe er gefunden und die Angst, der Hirsch könne verhitzen, habe ihn verleitet, seinen Hund am Anschuss zu schnallen. Da ich Nachsuchen nachts grundsätzlich ablehne, verabreden wir uns zum beginnenden Büchsenlicht.

Am Anschuss erwartet mich der Schütze mit seinem Hund. Wir finden Panseninhalt am Anschuss. Nach 60 Metern Riemenarbeit in die anschließende Dickung stehen wir vor einem Wundbett, in dem der Hirsch mit Pansen-Lebertreffer, wie sich später heraus stellt, sicherlich verendet wäre, wenn Jäger und Hund ihn in Ruhe gelassen hätten. Nach gut drei Kilometern Riemenarbeit finden wir den Hirsch verendet. Vom Wundbett bis zum Hirsch nahezu keine Pirschzeichen. Der Hirsch, zu dem ich keinen Kommentar abgebe, war nach Untersuchung noch verwertbar. Ein klassisches Beispiel, wie man es nicht machen soll. Ich habe dieses Beispiel erzählt, weil es leider kein Einzelfall ist.

Zweites Beispiel: Nachsuche auf ein Schmalreh

Im Nachbarrevier beschießt ein Jagdfreund morgens im ersten Licht auf einer langen Dickungsschneise ein einzelnes Schmaltier. Das Stück habe deutlich und gut gezeichnet. Am Anschuss seien aber weder Schweiß noch sonstiges Pirschzeichen zu finden. Vor Ort angekommen, weist mich der Schütze auf den vermeintlichen Anschuss ein. Als ich zirka 120 Meter vom Hochsitz entfernt bin, signalisiert er mir, zu warten. Ich lege den Hannoveraner Ben ab, und wir suchen im Umkreis von 15 Metern auf den Knien rutschend nach Pirschzeichen. Nichts.

Allmählich dämmert es mir, und ich lasse schließlich den Hannoveraner auf der 400 Meter langen Schneise vorsuchen. Fast 100 Meter vom vermeintlichen Anschuss entfernt, kommen mir doch allmählich Zweifel, was hier los sein könnte. Doch da verweist der Hund, und als ich am Riemen vorgreife, schaut mich der alte Rüde an, als wolle er mir sagen: „Hier hättet ihr mich nicht gebraucht.“ Lungenschweiß wie „mit der Gießkanne“ und 30 Meter in der Fichten-Dickung liegt das schwache Schmaltier mit sauberem Schuss.

Auch das ist kein Einzelfall und gerade bei Schneisen vergisst man häufig, sich vor dem Schuss einen markanten Punkt als Standort des Wildes einzuprägen. Wenn allerdings der Anschuss so weit von der vermuteten Stelle entfernt liegt, besteht die Gefahr, dass man die Nachsuche erfolglos abbricht.

Drittes Beispiel:Schuss auf einen Achter Hirsch

Während einer großen Bewegungsjagd im DJZ-Revier ereignete sich folgendes: Wir, meine Treibergruppe und ich, haben etwa die Hälfte des rund 450 Hektar großen Revierteils absolviert. Die Zahl der Schüsse lässt uns auf eine gute Strecke hoffen, und wir haben beste Laune und Freude bei der Arbeit.

Als wir an einer etwa 30 Meter breiten Schneise angekommen sind, lasse ich die Treiber halten, um sie auszurichten und auf ein Kommando hin alle gleichzeitig die Schneise überqueren zu lassen. Dabei fällt mir auf, dass der Stand links an der Stirnseite der Schneise verlassen ist. Am Stand angekommen, finde ich Rucksack, Sitzstock, Fernglas, aber nicht den Schützen.

Auf meine Rufe hin keine Reaktion. Ich rufe lauter, worauf die Antwort aus der Dickung, etwa 70 Meter vor den Treibern, kommt. Es befällt mich ein mulmiges Gefühl und nach einigem Suchen finde ich meinen Standschützen. „Hier ist Schweiß“, meldet er.

Ich erfahre nun, dass er einen Achter-Hirsch, (freigegeben war bis zum Sechser) beschossen habe, der mit schlenkerndem Vorderlauf geflüchtet sei. Ich muss dreimal kräftig schlucken, um nicht zu „platzen“. In einem wohl etwas härteren Ton „bat“ ich den Schützen, unverzüglich seinen Stand wieder einzunehmen und auf dem Weg dorthin seine Waffe zu entladen. Es erübrigt sich ja, solches Verhalten weiter zu kommentieren. Der Hirsch kam am nächsten Tag per Nachsuche zur Strecke. Der Schütze hat das Revier nicht mehr betreten!

Foto: Fotos:Stefan Meyers, Werner Nagel

F

A

Sau
Werden Sauen mit Leberschuss im Wundbett aufgemüdet, kommt es im Regelfall zu sehr langen, schwierigen Nachsuchen.
F

JETZT IM HANDEL:
001_001_DJZ_Titel_1_155
Inhalt »

HIER BESTELLEN

NÄCHSTES HEFT:
ab 29.02.2012 im Handel

ABONNIEREN

INSERIEREN

ONLINE WERBEN

ANZEIGEN-SUCHE

MEDIADATEN

Paul Parey Zeitschriftenverlag
Im Paul Parey Zeitschriftenverlag erscheinen:  
Jagen weltweitDeutsche JagdzeitungWild und Hund   Fisch und FangRaubfisch