Richtig bauen - regelmäßig prüfen
Gerade im Frühjahr gibt es wieder viel Arbeit im Revier: Leitern und Kanzeln kontrollieren und neue Hochsitze bauen. Dabei sind einige Vorschriften der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zu beachten. Tipps aus dem DJZ-Lehrrevier.
Von Hans-Joachim Duderstaedt
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Es gibt im Revier wohl kaum eine Einrichtung, die bei uns Jägern einen so hohen Stellenwert beziehungsweise einen derart starken Aufforderungscharakter hat wie der Bau von Hochsitzen, Ansitzleitern und Kanzeln. Wenn auch der Virtuosität des Einzelnen kaum Grenzen gesetzt sind, so haben alle doch eines gemeinsam: Es gilt, nach den Vorschriften der UVV-Jagd (VSG 4.4, im besonderen nach Paragraph 7 Hochsitze) vorzugehen.
Um den Jagdpächtern oder den Jagdleitern konstruktive Hilfen zu geben, verweise ich auf zwei, wie ich finde, sehr anschauliche Broschüren der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (zu beziehen bei: Bundesverband der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften, Postfach 410356, 34114 Kassel. Telefon: 0561/9359-0, Fax: -414):
Arbeitssicherheit aktuell.
Sichere Hochsitz-Konstruktion.
In beiden sind die aktuellen, am 1. Januar 2000 in Kraft getretenen Vorgaben der UVV eingehend beschrieben und bebildert. Unfälle mit jagdlichen Eirnichtungen Leider haben jagdliche Einrichtungen nicht nur Vorteile. Die Unfälle, die bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft gemeldet und bearbeitet werden, belegen das. Absturzunfälle von Hochsitzen bilden einen Schwerpunkt im jagdlichen Unfallgeschehen. Gebrochene Sprosse, morsches Holz, Unfälle provozierende Ein- und Ausstiege im Zusammenhang mit der umgehängten Waffe sorgen immer wieder für Schlagzeilen in der Presse.
Um möglichst deutliche Akzente zu setzen, wollte ich wissen, wodurch die meisten Unfälle verursacht werden beziehungsweise wurden. Interessant war zunächst einmal die Auskunft, dass in staatlichen Regiejagden im Verhältnis deutlich weniger Unfälle passieren als in Pachtrevieren. Die Berufsgenossenschaft führt dies darauf zurück, dass in Regiejagden Fachpersonal (Waldfacharbeiter) zum Einsatz kommen. Überboten im positiven Sinne wird das geringe Unfallvorkommen in von Berufsjägern geleiteten Revieren.
Als Hauptunfallursache wurde neben überalterten Sprossen die Beschaffenheit des Wechsels von der Leiter zur Plattform oder zum Hochsitzinneren beschrieben. Es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Seiteneinstiege optimal sind. Unfall fördernd sind Kanzeln, bei denen die Tür gegen den aufsteigenden Jäger geöffnet wird!
Übrigens wurde das DJZ-Versuchsrevier vor gar nicht langer Zeit von der Berufsgenossenschaft inspiziert, wobei sämtliche jagdlichen Einrichtungen nach UVV-Bedingungen beurteilt wurden. Man stellte Mängel fest, die in einem Zeitraum von zwölf Wochen abgestellt werden mussten. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es wurden einige Hochsitze im Zuge dieser Aktion aus dem Betrieb herausgenommen und verschiedene auf UVV-Norm aufgerüstet. Das heißt, es kann in jedem Revier, gleich welcher Art, jederzeit eine Prüfung jedes einzelnen Sitzes durch die Berufsgenossenschaft stattfinden. Deshalb baut man besser gleich nach Vorschrift, denn Nachrüsten ist oft aufwändiger! Bau von Jagd-Einrichtungen Zunächst gilt es, darauf zu verweisen, dass mancherorts für den Bau von Jagd-Einrichtungen weitere gesetzliche Regelungen wie Bauordnungen und Naturschutzgesetze zu beachten sind. Die zuständigen Behörden geben im Zweifelsfall Auskunft.
Die Höhe eines Hochsitzes ist von den örtlichen Gegebenheiten abhängig, die Bauart von den jagdlichen Erfordernissen! Es ist daher zu überprüfen, ob eine stabile Ansitzleiter den Anforderungen bereits genügt.
Falls zum Bau einer Jagdeinrichtung eine Motorsäge eingesetzt wird, ist auf die persönliche Schutzausrüstung zu achten. (Helm mit Gehör- und Gesichtschutz, Arbeitshandschuhe, Schnittschutzhose, Sicherheitsstiefel beziehungsweise Schuhe mit Schnittschutz).
Hoch gebaute Jagdeinrichtungen, ihre Zugänge sowie Stege müssen aus kräftigem Material hergestellt sein. Nur gesundes Holz ist zu verwenden! Douglasie, Lärche, Kiefer, Fichte und Tanne gelten in dieser Reihenfolge als taugliches Bauholz. Für Sprossen und Erd-Anker sind Eiche und Akazie besonders geeignet!
Belaghölzer müssen so verlegt und befestigt sein, dass sie gegen Verschieben, Kippen und Verkanten gesichert sind. Im Einzelnen möchte ich anhand von zehn Punkten auf die wesentlichen Dinge aufmerksam machen: Zehn Punkte für den Hochsitzbau Holz als Baumaterial muss gesund, entrindet und kräftig sein. Das notwendige Holz sollte im Winter geschlagen werden. Es trocknet dann langsamer und weist keine Risse auf wie bei im Sommer geschlagenem, schnell trocknendem Holz. Die Risse fördern Pilze und Fäulnisprozesse.
Rundhölzer, also natürlich gewachsene Stämme beziehungsweise Stangen sind besser als Kanthölzer, Latten und so weiter, weil sie eine höhere Festigkeit haben und witterungsbeständiger sind. Als Fußboden und Außenverschalung sollten Lärchenbretter verwendet werden, wobei die glatte Seite nach außen angeordnet wird. Die Fußbodenbretter (30 Millimeter) sollten zehn Millimeter Abstand zueinander haben, um Nässestau zu verhindern.
Die Verbindung zwischen Leiter und Hochsitzeinstieg ist sehr unfallträchtig. Sorgen Sie für einen Seiteneinstieg (siehe Bild) und lassen Sie die Leiter zirka einen Meter überstehen, um Möglichkeiten zum Festhalten zu schaffen.
Man sieht recht häufig Kanzeltüren, die gegen den aufsteigenden Jäger, der in der Regel mit Gewehr und einer Menge Ausrüstung beladen ist, schwingt. Hier ist die Katastrophe programmiert!
Wenn Hölzer (Steher beziehungsweise Streben) in den Boden eingelassen werden, sollten sie gegen Fäulnisbildung behandelt werden. Besser ist es, sie auf Steinplatten zu stellen, oder, bei sehr hohen, wuchtigen Hochsitzen, sie auf ein Betonfundament zu setzen und mit Winkeleisen zu verschrauben.
Sprossen sollen in Kerben eingelassen und vernagelt werden. Ausnahmen sind Sprossenstützen beziehungsweise aufgenageltes Bandeisen. Wir bevorzugen die gestützten Sprossen, weil durch Einkerben Nässestau gefördert wird.
Sprossen sollen eine Handbreit überstehen, um Reißen des Holzes beim Nageln zu verhindern. Spaltlinge sind auf der Trittseite auf zirka drei Zentimeter zu rändeln, beziehungsweise zu säumen.
Bringen Sie bei engen Kanzeln eine Halterung für die Waffe an, damit beim Einstieg beide Hände frei sind.
Einstiege durch den Fußboden in die Kanzel (Klappen) sind zu vermeiden.
Angelehnte Leitern sollten in der Schräge einen Winkel von 65 bis 75 Grad aufweisen. Ein Handlauf ab einer Leiterlänge von fünf Metern ist empfehlenswert.
Der Sprossenabstand von Oberkante zu Oberkante soll 26 bis 27 Zentimeter betragen.
Bei Hochsitzen mit Plattformen ist auf die notwendige Sicherheit durch Geländer zu achten. Die vorgeschriebenen Geländerhöhen sind: Fußleiste 5 Zentimeter, Knieleiste 50 Zentimeter und Brustwehr 100 Zentimeter.
Überprüfen Sie bauliche Jagdeinrichtungen regelmäßig, insbesondere im Frühjahr nach Winterschäden, auf einen einwandfreien Zustand. Mangelhafte Teile sind unverzüglich auszubessern. Nicht mehr benötigte Einrichtungen sind abzubauen und ordnungsgemäß zu entsorgen.
Vergessen Sie nicht, auf das Verbot unbefugter Nutzung hinzuweisen.
Abschließend ist zu erwähnen, dass jede jagdliche Einrichtung sich bestmöglich ins Landschaftsbild einpassen sollte. Deshalb sollten Sie immer natürliche Baustoffe bevorzugen. Die Verwendung von Beton und Stahl sollte, nicht nur wegen der Optik, auf Ausnahmen beschränkt bleiben!Foto: Hans-Joachim Duderstaedt
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