Feuchtbiotope schaffen
Wenn der Boden gefroren ist, also im Januar und Februar, können die Bagger anrollen. Dann ist die beste Zeit, um Tümpel anzulegen. Der Leiter des DJZ-Versuchsreviers, Hans-Joachim Duderstaedt, gibt Tipps, wie man das macht.
Von Hans-Joachim Duderstaedt
A
 |
Um es vorwegzunehmen: Bei der Vernetzung des Versuchsrevieres mit Feuchtgebieten spielten ökologische und naturschützerische Gedanken eine wichtige Rolle. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, habe ich auch an Hirsch und Sau gedacht.
Unter Feuchtbiotopen, wie sie im DJZ-Versuchsrevier geschaffen wurden, sind sogenannte Himmelsteiche zu verstehen. Das heißt, der Wasserstand ist allein vom Regen abhängig.
Bei der Auswahl der Bereiche, in denen diese Himmelsteiche erstellt werden, spielen staunasse und weitgehend offene Bereiche die entscheidende Rolle. Bedingt durch Staunässe haben wir nur bei gefrorenem Boden die Möglichkeit, schweres Gerät einzusetzen. Erfahrungsgemäß ist der Einsatz eines Löffelbaggers einer Raupe vorzuziehen, weil mit einem Bagger gezielter unregelmäßige Uferränder und die wichtigen Flachwasser-Zonen entstehen können. Der Einsatz dieses Baggers verbietet sich außerhalb von Frostphasen, weil es zu erheblichen Bodenverdichtungen kommt, und ein „Absaufen“ nie auszuschließen ist. Flachwassertümpel - nicht Seen Um es deutlich zu sagen: Wir wollen keine Seen bauen, womöglich mit dem Hintergrund, der Fischwaid zu frönen. Die Größe des Gewässers - und hier sind einschlägige Bestimmungen der Landespflege-Gesetze zu beachten - soll die Wasserfläche 60 bis 100 Quadratmeter nicht übersteigen. Die Wassertiefe wird sich im Wesentlichen an der Niederschlagsmenge orientieren.
Unsere 24 Feuchtbiotope haben im Jahresdurchschnitt einen Wasserstand von rund 80 Zentimetern, wobei, wie bereits angesprochen, wir kein großes tiefes Loch buddeln wollen, sondern eine flache Schale mit den so wichtigen Flachwasser-Zonen brauchen.
Mit dem Einsatz des Löffelbaggers ist unser Tümpel schon fertig. Das heißt, wir überlassen alles weitere der natürlichen Sukzession. Optimal ist es, gleich zwei beziehungsweise drei Tümpel verteilt auf einer Wiese mit staunassen Bereichen einzurichten, um auch kleinflächig gesehen den Vernetzungscharakter zu erreichen.
Feuchtgebiete im beschriebenen Sinne brauchen Ruhe. Sie verlieren ihre Wirkung, wenn wir selbst oder Waldbesucher in ihnen herumstochern. Bei der Ortswahl ist darauf Rücksicht zu nehmen. Beobachtung & Bestimmung Ein- bis zweimal im Jahr, am besten im Juni und August, beobachten wir an einem offenen sonnigen Tag, was sich in und an unseren Tümpeln tut. Wer nicht selbst in der Lage ist, zum Beispiel Gelbrandkäfer, verschiedene Molcharten und die mit Sicherheit vorhandene Insektenwelt zu bestimmen, nimmt sich einen Sachkundigen mit und schlägt dabei eine Brücke zum Naturschutz.
Abschließend noch eine, wie man es nimmt, lustige Episode. Bei einer Biotop-Kartierung fiel der Biologin die Vielzahl unserer Flachwassertümpel auf. In ihrem Bericht spricht sie dann von sogenannten „Schweinelöchern!“. In diesen Schweinelöchern, wobei das Suhlen von Sau und Hirsch als auch der Tritt dieser Tiere durchaus nicht nur natürlich ist, ja sogar Wechselbeziehungen zwischen Tier und Pflanzen fördert, sind heute 18 Arten von Libellen zu sehen. Dabei auch zwei Arten, die in Rheinland-Pfalz als ausgestorben galten.
Bitte denken Sie daran: Die Anlage der Flachwassertümpel muss bei der Kreisverwaltung, Untere Landespflegebehörde, beantragt werden. In der Regel wird für diese Art der Biotop-Hege bezogen auf Himmelsteiche die Genehmigung eher unbürokratisch erteilt!Foto: Hans-Joachim Duderstaedt, Karl-Heinz Volkmer
F
|